Autor: Martha Kniewasser-Alber (Seite 1 von 20)

Lebendigkeit kultivieren

24. Dezember 2021

Da sind wir nun, am Ende dieses Advent angekommen: Ankunft.

Ankunft in der Heiligen Nacht. Die bedeutet mir etwas. Die Nacht und die Heilung. Da ist das große Ausatmen, das Sinken in die Raunächte, das Einverständnis ins Geschehenlassen. Nichts mehr muss, vieles kann, alles darf sein.

Ich wünsche Euch Ausatmen, Sinken, Lassen und ein Einverstanden -Sein mit dem, was sich zeigen will in der Zeit zwischen den Jahren.

Ich wünsche Euch Herzerwärmendes und Heilendes für Leib und Seele.

Das Wesentliche ist getan und das Jahr hat sich
zum Samen gerundet.

Jetzt ruhe
und sei ohne Sorgen, denn wisse:

Das Licht wird
ohne dein Zutun
wieder geboren
und die Aufgaben
des Neuen Jahres
wachsen von selbst
an dich heran.

Eva Callies

Üben, dem Leben und der Lebendigkeit zugewandt zu sein

23. Dezember 2021

Es fällt nicht schwer, dem Leben zugewandt zu sein, wenn es uns begeistert, wenn es uns mitnimmt in seinen Fluss und wir ohnehin bereit sind, unterwegs zu sein. Zum Leben gehört aber das Sinken, das Verabschieden, das Ruhen und Rasten auch dazu. Das wirklich zu leben und als dem Leben zugehörig zu begreifen, kann herausfordernd sein.

Mir ist heute ein wunderschöner Text zugeflogen, den ich gerne mit euch teilen möchte:

    Dunkelheit

Ich danke dir, Dunkelheit,
dass du dich über alle Dinge breitest,
mit gleicher Zartheit
über unversehrtes Leben
und das Zerbrochene.

Dass du dich zu mir setzt
wie eine alte Freundin,
die mich besser kennt
als ich mich selbst
und die geduldig wartet,
bis ich mir begegne.

Dass du mich lehrst,
was leere Hände sind
und wie das Leben schmecken kann,
wenn Leben heißt,
mit dem, was ist, zu sein.

Ich danke dir, Dunkelheit,
dass du mich birgst wie weiche Erde,
in der ich ruhen und zum Leben reifen darf
wie ein Geheimnis,
das sich noch entfaltet.

Giannina Wedde

Dem Leben und der Lebendigkeit verpflichtet

22.Dezember 2021

Noch ein Wort zu den Beiträgen der letzten Tage- möget ihr mich richtig verstehen: Ich halte den tiefgreifenden Respekt voreinander für unerlässlich UND ich habe eine klare Haltung zu den Themen der letzten Wochen. Das ist an sich ein eher unharmonischer Zustand, der da in meinem Inneren ist. Es ist auszuhalten, dass Menschen in meinem Umfeld die Lage anders einschätzen als ich, auch die Argumentationslinie ist mir nicht immer nachvollziehbar und “Ich versteh das einfach nicht!” ist schneller in meinem Bewusstsein als ich zu irgendetwas “Ja!” sagen kann.

Trotzdem will ich nicht zulassen, dass das Gemeinsame, das was wir teilen keinen Platz mehr hat. Das bedeutet innere Arbeit und die ermüdet auch.

Die letzten Tage des Advents und auf Weihnachten zu sollen nun der für mich vielleicht wichtigsten Haltung gewidmet sein: ich fühle mich dem Leben und der Lebendigkeit verpflichtet! Das wollen wir jetzt vom Gegenteil her aufzäumen:

wählen zwischen Erstarrung und Lebendigkeit,

wählen zwischen Wissen und Recht haben und “das Leben in seiner Ambivalenz aushalten”,

wählen zwischen was lähmt mich und was belebt mich,

wählen zwischen Beschwernis und Leichtigkeit,

Ein guter Referenzrahmen für diese vielen Entscheidungen ist für mich die Natur, die Meisterin des Lebens und der Lebendigkeit. Wie wir alle wissen, geht es auch dort beileibe nicht nur romantisch und streichelweich zu. Ohne ein Nachdenken über Hingabe, Opferbereitschaft, Konkurrenz, Individualität und Kollektiv, Leben wollen und das Leben lassen, kommen wir, komme ich da nicht durch. Und der (menschlichen) Natur, lässt sich auch immer die (menschliche) Kultur zur Seite stellen. Und dazu gehört nun auch das Üben und Kultivieren von Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Ich nehme, wir wir zutiefst sind

21. Dezember 2021

“Namaste” weiter üben und kultivieren:

Stell dir eine Person vor, mit der du es schwer hast. Weil euch eine lange Geschichte verbindet, weil ihr eine Meinungsverschiedenheit habt, weil es einen aktuellen Konflikt gibt, weil du dich gekränkt fühlst.

Stell dir diese Person vor dir stehend vor, in einem Abstand, der für dich passend ist. Sag laut oder sag innerlich: Wir haben es schwer. UND

Ich ahne, wie du zutiefst bist, liebend und heilend, geliebt und heil.

UND

Ich nehme dich, wie du zutiefst bist, liebend und heilend, geliebt und heil.

UND Sage dir selbst gleichzeitig zu:

Ich nehme mich, wie ich zutiefst bin, liebend und heilend, geliebt und heil,

Die Realität ist: wir sind verschieden, wir sind unterschiedlicher Meinung, wir haben es schwer miteinander. UND Es gibt einen (Würde-) Kern in mir der mit dem(Würde-) Kern in dir verbunden bleibt, allen Konflikten, Schwierigkeiten und Unterschieden zum Trotz. Das ist ebenso gut wie schmerzhaft, ebenso notwendig wie schwer, hat ebenso mit Loslassen wie mit Festhalten zu tun. Ist das Leben nicht paradox?

Ich ahne, wie wir zutiefst sind

20. Dezember 2021

Diese Haltung des “Namaste” üben, kann so geschehen:

Stell dir eine Person vor, die dir wichtig ist, mit der du vielleicht eine Herzensverbindung hast. Hab guten Bodenkontakt, atme aus, atme ein, bringe deine Hände vor der Brust zueinander. Nimm die Berührung deiner Hände als Ereignis, sei ganz in deiner Wahrnehmung. Verneige dich und sage laut oder innerlich:

Ich ahne, wie du zutiefst bist, liebend und heilend, geliebt und heil..

Versuche es nächsten Tag noch einmal und schau, ob du das der anderen Person und gleichzeitig dir selbst zusagen kannst. Sei mit deiner Achtsamkeit ganz in der Geste.

Namaste

19. Dezember 2021

Die Grußformel aus dem Sanskrit drückt die Würdigung und den Respekt vor einem Menschen auf einfache Weise aus. Die Geste ist ausdrucksstark. Unterschiedliche Versionen von Übersetzungen lauten etwa “Das Göttliche in mir verneigt sich vor dem Göttlichen in dir.” Oder etwas freier übersetzt “Der Kern meiner Würde verneigt sich vor dem Kern deiner Würde”. Oder weniger abstrakt:

“Ich ahne, wie du zutiefst bist, liebend und heilend, geliebt und heil.”

….während für mich auch spürbar ist, weil du es mir gleichzeitig sagst:

“Ich ahne, wie ich zutiefst bin, liebend und heilend, geliebt und heil.” .

Würde und Würdigung kultivieren

18. Dezember 2021

Die Sache mit der Unantastbarkeit: ich orte meine Würde ja in meinem Inneren. Das heißt zwischen der Situation, die meine Würde antastet und meiner Würde, bin ich – gewissermaßen. Mich kann man angreifen, berühren, antasten, anstupsen, auf vielen Ebenen. Wie sich meine Würde, wie ich mich mit meiner Würde dazustelle, ist ein eigener Prozess, der oft unbewusst läuft, aber eben auch bewusst laufen kann, über die Ausrichtung meiner Haltung. Das nur dazu, warum Würde für mich etwas mit Haltung zu tun hat.

Und nun ist es so, dass sich dieser Würdekern in jedem Menschen (in jedem Lebewesen womöglich) befindet. Der zeigt sich nicht immer, selten vielleicht sogar. Aber es gibt die Grundannahme (und deswegen ist die Erwähnung im ersten Artikel der Charta der Menschenrechte mehr als berechtigt!), dass jeder*r diesen Würdekern in sich trägt und es ein Geburtsrecht ist, dass dieser gewahrt bleibt, ja, gewürdigt wird.

Ich schreibe, das ist eine Grundannahme. Ich glaube es, ich möchte es glauben, ich weiß es nicht (wie so vieles im Moment). Ich ahne es.

Und ich spüre, dass in jeder Auseinandersetzung das der Punkt ist, an dem es hakt. Der Blick, die Ahnung, dass es diesen würdevollen Kern ganz hinten, ganz unten, vielleicht total verschüttet von vielen schmerzlichen, entwürdigenden Erfahrungen gibt, geht zumindest bei einer Seite verloren (meist bei beiden…)

Und ja, ich kenne das und ich ahne auch, dass es darum geht, Kontakt zu meiner Würde zu haben und von dort aus Kontakt mit der Würde des/der anderen aufzunehmen. Hinter die Argumente, hinter die Wut, hinter die Rechtfertigung, hinter das Geschrei, hinter die Angst, darunter zu blicken und zu ahnen, wir sind verbunden. Doch ist es gar nicht einfach, diese Schichten in mir freizulegen, die Argumente beiseite zu legen, die Wut verrauchen zu lassen, die Rechtfertigung abzulegen, das Schreien aufzuhören, die Angst anzuerkennen, also richtiggehend abzurüsten, um vom ungeschütztesten Punkt aus, mit Scheu und würdevoll auf den ungeschützten Punkt im anderen zu sehen.

Alles was es dazu braucht an Haltung, an innerer Arbeit, an Selbstreflexion, an Blick auf die eigenen Wunden, kultiviert Würde.

Würdigung üben?

17. Dezember 2021

Also ein paar Gedanken: die Unantastbarkeit der Würde ist in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Artikel eins fest geschrieben. Und heute habe ich mich bei dem Gedanken ertappt: dafür, dass die Würde Basis aller Menschenrechte ist, ringen eigentlich ziemlich viele Menschen immer wieder um ihre Würde – ich nicht ausgenommen.

Ich glaube übrigens, dass diese Formulierung der “Unantastbarkeit” irgendwie schwer verständlich ist. Aber ich will mich jetzt nicht in philosophischen Höhen verlieren. Nur soviel: Meine Würde ist antastbar. Das weiß ich und das spür ich!

Das menschliche Zusammenleben ist an sich eine Herausforderung für die Würde jeder*jedes einzelnen. Und sie kann nur gewährleistet werden, wenn jede*jeder das SelbstVerständnis hat, dass sie*er das Recht hat, gewürdigt zu werden und zu sein. Und wie so oft: das Ganze beginnt mit der Selbstwürdigung, die sich gründet auf der Erfahrung, die jede*jeder von uns im frühen Leben mit Bindungspersonen gemacht hat.

Ich bin wertvoll, ich bin gut so, wie ich bin. Ich bin gesehen und geschätzt.

Du bist wertvoll, du bist gut so, wie du bist. Ich sehe und schätze dich.

Sich morgens beim Aufstehen und abends beim Schlafen gehen er- innern, den Anker in die Tiefe meines Inneren setzen.

Würde

16. Dezember 2021

Würde bedeutet, meine Lebendigkeit und meine Kraft anzuerkennen.

Würde heißt, den eigenen Platz im Kreislauf des Lebens zu kennen und einzunehmen.

Würde heißt, um die Balance zwischen Lassen und Tun zu wissen.

Würde kennt die eigenen Bedürfnisse und sorgt für die Erfüllung dieser Bedürfnisse.

Würde ist gleichermaßen stark und zerbrechlich.

Würde will geachtet, gefunden, wiedergefunden und bewahrt werden.

Vertrauen kultivieren

15. Dezember 2021

“Versuche nicht, den Veränderungen zu widerstehen, die auf dich zukommen. Lass stattdessen das Leben durch dich leben. Und mach dir keine Sorgen, dass dein Leben auf den Kopf gestellt wird.

Woher weißt du, dass die Seite, an die du gewöhnt bist, besser ist als die, die kommt?“

Rumi

Nothing more to say!

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