Autor: Martha Kniewasser-Alber (Seite 1 von 17)

Schwellentanz

12.Jänner 2021

Wie schon angedeutet, bin ich im Moment ein bisschen wortempfindlich. Schnell kommt mir etwas grob daher, schlampig oder schneidend, oder verurteilend, und ja, auch unsere Sprache krankt und siecht dahin. Da helfen neu erfundene Worte und Sprachkorrekturen gar nicht.

Folgenden Worten rate ich fürs Erste zu einer 6- wöchigen Reha:

Fitness, Plagiat, Symptom, Mutation, Impfdosen, Aggression, Lockdown, soziale Medien.

Statt ihrer Verwendung einmal tief aus-und einatmen.

Weil sich das mit Reden und Worten gerade nicht so heimatlich anlässt, rückt Bewegung, Musik und Tanz in den Vordergrund. Beim morgendlichen Tanzen habe ich entdeckt, dass es reizvoll ist, zwischen zwei Zimmern hin- und her zu tanzen. Der spannendste Ort dabei: die Schwelle (mit erhobenem Schwellenbrett) – braucht mehr Aufmerksamkeit, darauf zu bleiben ein gerütteltes Maß an Balance, die herkömmlichen Schritte müssen adaptiert werden – ein sehr leibliches Forschungsgebiet, das nicht ohne Folgen bleibt…..

An der Schwelle

31.12. 2020

Sprachlich im Moment ziemlich einreduziert und der vielen Worte etwas müde (im Moment müsste der halbe Wortschatz auf REHA!), gibt es an der Schwelle ein Elfchen und einen Haiku. Mit diesen Worten sei 2020 verabschiedet und 2021 willkommen geheißen.

Heute

ein Jahr

das enden will

Was krank ist möge

gesunden

Das Atmen lernen

Dem Heute alles zutraun

Wunder erwarten

In diesem Sinne, ein gutes Wenden!

Hören, Lauschen und Losen

25. Dezember 2020

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Im Moment bleibt wenig zu sagen. Aus einem auslaufenden, selbstgewählten Auftrag, Ratlosigkeit, offenen Fragen und dem Versuch, das Leben zu lieben, das da ist, werden um diese Zeit keine haltbaren Blog- Beiträge mehr.

So verabschiede ich mich in die Raunachtszeit, die dazu angetan ist, ruhig zu sein, still zu halten, zuzuhören und zu lauschen. Ich werde also meine Sinne und meine Zellen auf Antenne und Empfang schalten, mich in einen anderen Modus zurückziehen und meinen EigenSinn pflegen, bis es wieder etwas zu sagen gibt.

Habt auch ihr eine gute Zeit, ein feines Sein, ein offenes Ohr und ein lauschendes Herz…..

Weih-Nacht

24. Dezember 2020

Du bist bis heute durch diesen Advent mitgegangen. Danke dafür!

Heute lade ich dich (und mich!) ein, den Tag durch die Genuss-Brille zu betrachten: Was macht mir Freude, was lässt mich die Zeit, das Zusammensein mit den anderen Menschen genießen?

Das setzt ein Gespür für Präsenz und Da-Sein voraus- wir haben in den letzten Tagen ein wenig geübt: Lass die Füße den Basiskontakt zum Boden herstellen. Atme aus und bewusst ein, sei mit dir und bei dir. Dann gibt es eine weiche Aufmerksamkeit mit wachen Sinnen für die Menschen und die Welt. „Antennig sein“: die Welt, das Fest, die Menschen kommen auf dich zu. Du musst nichts tun. (Ja, das klingt auch für mich paradox. Ist aber so.)             

Was siehst du? Was hörst du? Was gelangt an deine Haut, was spürst du? Was riechst und schmeckst du? JETZT.

Genieße. JETZT.

Die Zeit ist da. JETZT.

Du bist da. JETZT.

Die Welt ist, wie sie ist. JETZT.

Atmen. JETZT.

Das weiht die Nacht.

Weih-Nacht.

 Füße in den Fokus

23. Dezember 2020

Die Füße sind unser ausdauerndstes Kontaktorgan. Wenn wir stehen, gehen und sitzen, die Füße haben Kontakt – zum Boden, zur Erde. Zugegebenermaßen oft nicht direkt, weil Socken, Strümpfe, Schuhe usw….

Die Frage aber nun: haben wir Kontakt zu unseren Füßen? Hier also ein Vorschlag zu einer Verabredung mit deinen Füßen, mach es dir sitzend gemütlich, am Boden, auf einem Stuhl, wie du magst.

Nimm einen deiner Füße in deine beiden Hände und entdecke (vielleicht mit geschlossenen Augen) die unterschiedlichen Teile deines Fußes: Zehen, Sohle, Ballen, Fußrücken, Ferse, Knöchel. Was hat knöcherne Qualität, was Polsterqualität, wie fühlen sich die verschiedenen Oberflächentexturen deines Fußes an? Beginne deine Fußsohle zu massieren. Hier finden sich eine ganze Menge Reflexzonen, über die du Einfluss nehmen kannst auf deinen Leib, deine Organe. Knete deine Zehen, spüre deren Ansatz in den Mittelfußknochen, bewege deinen Vorfuß, probiere alle möglichen Richtungen aus. Massiere die Ferse, die Fußkanten, das Fußgewölbe. Du kannst die Finger deiner Hand zwischen die Zehen des Fußes hineinlegen und so den Fuß eine wenig bewegen.

Während eurer Zeit miteinander verändert sich das Erscheinungsbild deines Fußes, sei aufmerksam, nimm wahr. Steh dann auf, spüre wie unterschiedlich deine beiden Füße nun organisiert sind….

Komm dann zum zweiten Fuß – same procedure! (😊)

Wenn du willst, kannst du deine Füße auch noch eincremen, sie werden es dir danken. Die Verbundenheit mit deinen Füßen wirkt auf dein Stehen, dein Gehen, dein Sein in der Welt.

Thich Nhat Hanh drückt dies so aus:

Bitte berühre die Erde mit Achtsamkeit, Freude und Konzentration.

Die Erde wird dich heilen,

und du wirst die Erde heilen.

Wintercaprese

22. Dezember 2020

Bei einem adventlichen Abendessen vor einigen Jahren habe ich diese Speise bei U. kennengelernt. Da wurde sie als Vorspeise gereicht.

Zutaten:

eine kleinere gekochte rote Rübe

Mozzarella

Wasabinüsse

Kresse

Olivenöl

Balsamico

Salz

Rote Rübe und Mozzarella in Scheiben schneiden (auf unterschiedlichen Schneidbrettern),

auf Teller schlichten, salzen, mit Olivenöl und Balsamico marinieren, mit gehackten Wasabinüssen und Kresse bestreuen.

Der Geschmack der roten Rübe verträgt sich ausgezeichnet mit dem Krenaroma der Wasabis und der leichten Schärfe der Kresse, der milde Mozzarellageschmack rundet die Sache ab.

Schmeckt als Vorspeise oder leichtes Abendessen vorzüglich sowohl mit Roggenbrot, Nussbrot als auch mit einem feinen Weißbrot.

Möge die Rübe gelingen!

 Dunkelheit und Licht- Wintersonnenwende

21. Dezember 2020

Die längste Nacht und der kürzeste Tag des Jahres treffen einander heute. Die Wintersonnenwende ist emotional vielleicht die wichtigste Wendezeit des Jahres.

Aus der dunkelsten Dunkelheit entsteht das wachsende und länger werdende Licht. Wir sind in unserer westlich-zivilisierten Welt Lichtfetischisten. Für unser Immunsystem ist aber der Wechsel zwischen Dunkelheit und Licht ein wichtiger Baustein. Die samtige Dunkelheit der Nacht kann etwas sehr Erholsames, Berührendes, Sensibilisierendes haben. Das Tageslicht und das Sein an der frischen Luft ist ein passender Gegenspieler.

Ich lade dich heute ein, dich abends der Dunkelheit hinzugeben, sie zu würdigen, die Dämmerung, das Dunkelwerden als zärtliche Einladung zum Landen, zum Langsamerwerden, zum Ausatmen, zur Muße zu verstehen. Wir haben wenig Respekt vor der Dunkelheit, der sich dann möglicherweise auch in Angst und Furcht vor ihr verkehrt. Begrüße heute die Dunkelheit mit offenem Herzen und auf Augenhöhe, heiße sie willkommen.

Kerzenlicht ist eine Möglichkeit der Dunkelheit zu begegnen, ohne sie zu vertreiben. Gib dich dem Zauber von Kerzenlicht hin, das ist ja rund um die Weihnachtszeit eigentlich Teil vieler Rituale. Kerzenlicht kann wie gute Musik oder ein Gedicht unser Gemüt und Gefühl berühren. Kein Lämpchen kriegt die Atmosphäre von Kerzenlicht hin….

Innerlich berührt sein in dieser berührungslosen Zeit.

Gedichte

20. Dezember 2020

In dichten Zeiten braucht es dichte Sprache. Lyrik ist verdichtete Sprache, die nicht nur unseren Verstand bespielt, sondern zwischen den Zeilen und in Rhythmik und Klang auch unser Gemüt, unser Gefühl erreichen kann. Im Zwischenraum wohnt das Unsagbare, Atmosphärische, das nährt und trägt.

Wenn du Zeit und Muße hast, mach dich auf die Suche nach einem Gedicht, das dich anspricht, das etwas in dir zum Klingen bringt. Entweder du suchst über ein Schlagwort im Netz, oder du kennst Autorinnen und Autoren, die dich interessieren. Wenn du Lyrikbände zuhause hast, beginn zu blättern.

Hilde Domin, Ingeborg Bachmann, Nelly Sachs, Mascha Kaléko, Rose Ausländer, Mary Oliver, Rilke, Hesse, Fried, Jan Wagner (wurde mir vor kurzem empfohlen- Danke, R.!),…..

Was ist dir Medizin, Nahrung, Raum, Klang? Was tröstet dich, was ist heilsam?

Schreibe das Gedicht auf ein Blatt Papier, mit der Hand, kalligraphiere oder schreib und formatiere es auf dem Computer und hänge es in deinem Blickfeld auf.

„Mache kleine Zeichen, die JA sagen und verteile sie überall in deinem Haus“ (Joseph Beuys)

Atmen und Bewegen/Ladetätigkeit

19. Dezember 2020

Eine Atemübung, die ich bei Luisa Francia entdeckt habe und die mir deswegen so gut gefällt, weil sie sehr dynamisch und energetisierend ist:

Stehe breitbeinig. Basiskontakt mit den Fußsohlen auf den Boden.

Bringe deine Hände locker zueinander und hebe die Arme beim Einatmen über den Kopf. Ziehe dann dein Arme in einer schnellen Bewegung nach unten zwischen deine leicht gegrätschten Beine durch, nimm den Oberkörper mit und atme kräftig und auch hörbar aus.

Die Bewegung ähnelt dem Ablauf beim Holzhacken. Da kann ich sie aber nicht so frei machen, weil nie ganz klar ist, ob ich das Scheit treffe, ich traue mich da nie so durchziehen.

Richte dich dann mit dem Ausbreiten der Arme über die Seite wieder auf und atme tief ein.

Dann ziehe mit einem kräftigen Ausatmen die Arme wieder zwischen deinen Beinen durch.

Arme ausbreiten und beim Einatmen über die Seite wieder über den Kopf bringen.

Ich finde, dass sich ein guter Rhythmus einstellt, wenn du die Übung fünfmal machst und dann drei Atemzüge ohne Bewegung, stehend, wahrnehmend tust. Dann noch eine Fünfersequenz bewegt, wieder drei stehend und wahrnehmend.

Durch die Dynamik kannst du sowohl entladen als auch aufladen. Beides ist in diesen Tagen wohl nötig.

Ladetätigkeit der anderen Art sozusagen.

Singen

18. Dezember 2020

Wann hast du das letzte Mal gesungen? Das miteinander Singen ist ja im Moment gerade nur sehr eingeschränkt möglich, Personen aus einem Haushalt können das riskieren (, weil sie in jedem Fall als K1 Personen geführt werden). Ich habe an mir festgestellt, dass ich sogar für mich allein viel weniger singe. Das beginne ich gerade wieder zu ändern.

Durch das Singen wird das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, Kreislauf und Stoffwechsel werden angeregt, Adrenalin und Glückshormone ausgeschüttet.

Singen ist Ausdruck, ist vertiefte Atmung, ist „die eigene Stimme“ erheben.

Du kannst einfach bekannte Lieder und Songs singen, du kannst zu Musik, die du hörst, mitsingen, du kannst aber auch aus einer stillen Körperübung, aus einer Atemübung heraus, deinen Körper, deine Stimme in Schwingung versetzen. Versieh deinen Ausatem mit einem Ton, den du verschieden lautest: summen, uuuuu, iiiii, aaaaa.

Einatmen, beim Ausatmen tönen und dir zuhören, die Schwingung deiner Stimme im Körper wahrnehmen.

Hör dir zu, hör dich an.

Aus dieser Haltung heraus kann es auch besser gelingen, anderen zuzuhören, andere anzuhören.

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