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Weder romantisch noch unnütz: Stellungnahme

29.5.2020

Wenn sich etwas in den letzten Wochen konsequent und verlässlich gezeigt hat, dann die Lupe, die sogenannte Selbstverständlichkeiten und Normalitäten in den Blick holt. Und nicht selten ist der Blick durch diese Lupe auch schmerzhaft.
Also: hinschauen, wo es weht tut. Draufbleiben mit dem Scheinwerfer, auch wenn es hier einige gibt, dies es lieben, das Licht gleich wieder woanders anzuknipsen, damit der Blick herumschweift und das Bild nicht scharf wird und wir nicht merken, was da passiert.

Rhythmik ist ein relevantes Fach, es ist relevanter denn je. Es arbeitet mit einem Menschenbild, das versucht alle Ebenen des Menschseins zu berücksichtigen: im Besonderen: die Feinheit der Wahrnehmung, das Eingebundensein in ein soziales Miteinander, das Erschaffen und Erfinden von Originellem, Präsentem, Kreativem, das ebenso da wie flüchtig ist und das genau in dieser Fragilität unglaublich beglückend, bereichernd und nährend ist.
Und es ist so real, so wirklich, so körperlich, so im Moment und deswegen sosehr Leben.

Das, was Rhythmik in erster Linie ist, ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was dieser Lockdown mit seinen Folgen ist. Und die größte Gefahr für diese Lebensschule ist die Angst. Die isoliert, die verengt die Wahrnehmung, die aktiviert die Überlebensmuster, welche spielerisches Forschen, Heiterkeit, lustvolles Ausprobieren hemmen. Das ist die Basis.

In zweiter Linie bin ich Lehrende, die in diesem Rahmen Räume kreiert, in denen sich junge Menschen bilden. Sie bilden sich, wohlgemerkt, sie erproben sich, sie üben Ausdruck, Fehlerfreundlichkeit, Improvisationsvermögen, Kontakt, Bezogenheit, sie bewegen sich in ungewohnte Welten vor, sie musizieren mit allem Möglichen, das ihnen zur Verfügung steht, sie befassen sich lustvoll mit Sprache, sie artikulieren sich dem Unsagbaren zu, sie freunden sich mit Materialien und mit dem Unverfügbarem an, sie wechseln die Ausdruckskanäle und werden unglaublich fassbar in ihrer Persönlichkeit. Ich versuche den Raum angstfrei, fehlerfreundlich und sicher zu gestalten. Das ist in diesem unseren Bildungssystem, dieser unserer Schule, dieser unserer Welt wirklich Schwerstarbeit – die ich unglaublich gerne mache, und mir dabei selbst Fehlerfreundlichkeit zugestehe, mit meiner Angst konfrontiert bin und um Sicherheit ringe.

Darum geht es, das tue ich mit Leidenschaft, das kann ich, das habe ich zu geben, das braucht die Welt, das ist meine Berufung, das ist großes Glück.
Nichts brauchen wir, brauchen diese jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, braucht die nächste Generation mehr!
Mir ist es mit diesem Bildungsangebot so ernst, wie überhaupt noch nie.

Walpurgisnacht als Sommerbeginn

30. April 2020

Der Frühsommer taucht auf und genau heute blühen die ersten Rosen auf. Die Geräuschkulisse ist schon länger die des Sommers: auch in den Nächten intensives Grillenzirpen. Tatsächlich bringt  die Vorfreude auf die Möglichkeit, wieder Menschen zu treffen und das Haus grundlos zu verlassen eine gewisse Leichtigkeit in den Tag. Backen, Räuchern, Aufräumen, Lüften, Kürbispflanzen setzen, die Feuerstelle mähen, heute geht alles ein wenig leichter von der Hand. Der Regen der vergangenen zwei Tage hat auch enorm gut getan und alles erfrischt und gewaschen. Das macht das Atmen leicht und die Sonne bekömmlich.

In der alten Zeitrechnung ist der 1. Mai Sommerbeginn und Mitsommer mit dem 21. Juni die HochZeit des Sommers.  Spargel, die ersten österreichischen Erdbeeren, Kresse, Salat, …. auch wenn wir auf verschiedenen Ebenen mit Fülle im Moment nicht gerade gesegnet sind. Der Fülle – das Grün, das Rot der Rosen , die Geräusche, der übermütige Flug der Vögel -welche  Natur und Erde gerade hervorbringen, kann und will ich mich nicht entziehen, sondern darin baden und eintauchen.

Nicht wissen – “State of the Art”

27.4.2020

In die Zukunft denken ist schon seit einiger Zeit eine recht unlustige Tätigkeit und hat sich ohnehin also total unergiebig erwiesen.

Wenn im Moment etwas Gültigkeit hat, dann dieser Satz: erstens es kommt anders, zweitens als du denkst. Den mochte ich nie, er hat auch oft nicht gestimmt! In den letzten Wochen überdurchschnittlich oft schon.

Immerhin rückt der Zeitpunkt in greifbare Nähe, an dem Menschen, FreundInnen, Familie wieder getroffen werden dürfen und ich mich nicht mehr ausschließlich als kaufkräftige, konsumierende Zellansammlung fühlen muss, sondern wieder so etwas wie ein Sozialleben zugestanden bekomme. Ich denke im Moment viel über innere Freiheit nach, über Humorlosigkeit, die mich befällt, wenn ich mir Schule mit Gesichtsmasken, ohne  Mimik, hochdistanziert und voller Angst vor Ansteckung vorstelle, immer in Anwesenheit dieses Vorbehalts, dass mir die Nähe zum anderen gefährlich werden kann, dass ich dem anderen gefährlich werden kann. Da bin ich völlig unflexibel unkreativ, humorlos – in Wahrheit verzweifelt.  Feldenkrais mit Gesichtsmaske und Handschuhen: meine erste Reaktion: never ever!

DA, schon wieder in die Zukunft gedacht, meinend zu wissen, wie das werden wird…..Und im “Handumdrehen” (sehr körperlich gedacht von der Abwehrhaltung in meine offenen Handflächen sehend), ich weiß nichts, ich stehe da mit leeren Händen, würde mich gerne anvertrauen an Wissende, die mir Gutes wollen, die Fürsorge im Herzen und Weitblick  haben – niemand da.

Das ist die Realität: nicht wissend, mit leeren Händen in Gemeinschaft mit anderen Nicht-Wissenden, Ringenden, am Leben,  die Lebendigkeit und Freiheit vermissend: quasi “State of the Art” (hmmm? aaaaahh!)

 

 

Ungeahnte Heiterkeit beim Forststraßenhatscher

15. April 2020

Im Moment, nach guten Tagen, vielen Ideen und einigem Tätig-Sein, heute eher ein Gang durch die Niederungen- ein sogenannter “Forststaßenhatscher”,  gibt landschaftlich nichts her, ist einfach Strecke zurücklegen und macht müde. Scheint aber dazuzugehören – mit der inneren Überzeugung hapert´s halt.

Ich will aber auch diese Wegstrecken nicht verschweigen, weit weg von Selbstoptimierung (das wiederum aus Überzeugung), Kreativitätsschüben, Aktivität und Freude am Frühling ist das hier halt auch wirklich zäh. An solchen Tagen  hielt das Leben vor Corona ein bisschen Ablenkung bereit, auf einen Kaffee gehen, eine zufällige Begegnung auf dem Weg zur Arbeit, eine unerwartete Gelegenheit zum Lachen, das Unvorhersehbare, welches das soziale Miteinander bietet. Das fehlt, das fehlt mir im Moment sehr.

Und, ja: es ist, wie es ist und die Ablenkung fehlt….UND wie lässt sich die höchstpersönliche Unvorhersehbarkeit ein wenig kultivieren?

Also die Gedanken sind frei: ich lass sie einfach mal galoppieren….und denke mir Bilder aus, die mich erheitern und die nicht aus Logik entspringen sondern aus Lust und Übermut. Und was TU ich, aus Lust und Übermut? Was lockt meine Heiterkeit?

Solidarität

5. April 2020

Ich beobachte ein bisschen die Sprache, die in der öffentlichen Kommunikation verwendet wird und muss mich doch sehr wundern. Das Wort “Solidarität” zum Beispiel nehmen gerade Politiker (gab es mal Politikerinnen?) und Menschen in den Mund, die bisher gut verborgen haben, diesen Begriff überhaupt in ihrem Wortschatz zu führen. (Salopp: Ich wusste gar nicht, das die das buchstabieren können!).

In mir entsteht das dringende Bedürfnis dieses Wort sofort auf Reha zu schicken, damit es sich von diesem klebrigen Virenbefall befreien und erholen kann.

Solidarität entsteht aus einer Haltung des freiwilligen Teilens eines Wertes heraus. Ich finde etwas – wie du – wichtig und ich bin freiwillig  bereit, diese Werthaltung mit dir zu teilen und eventuell daraus entstehende persönliche Nachteile dafür in Kauf zu nehmen. Die Freiwilligkeit widerspricht nicht einer persönlichen Notwendigkeit aus dem je eigenen Wertekanon heraus eine Konsequenz zu ziehen.

Hochproblematisch wird es mit dem Einfordern von Solidarität. Reifliche Überlegung, ein Ringen um die eigenen Werte und die persönliche Haltung, eine klare Entscheidung, sind, so finde ich, verlässliche Begleiter von Solidarität.

Angst, Überangepasstheit, moralische Überlegenheitsgefühle sprechen eher von einem viralen Befall des Begriffes “Solidarität”. Das wäre ich dann ganz dringend für die Reha- Variante.

Wie könnte diese Reha aussehen:  in einen blühenden Vogelkirschbaum gehängt, von der Frühlingssonne beschienen, vom Wind durchgeblasen, von Flügelschlag der vorbeifliegenden Vögel sanft bewegt, von einer jungen Frau entdeckt und gesehen, die den Fund ihrer Freundin aus der Ferne zeigt: Da, siehts du, da wo die Bäume ganz dicht stehen, das blüht ziemlich oben eine Vogelkirschbaum und da hängt was… sieht du das? Ah, ja, ja, jetzt sehe ich es. Da spazieren wir morgen hin und sehen uns da an….

In der Mondnacht, vom Sternbild der Kassiopeia zärtlich bewacht, sinkt die nach Kirschblüten duftende Solidarität sanft zu Boden, der herumstreunende Kater legt sich drauf, putzt seine Pfoten, den schnurrenden Leib und ruht, immer wieder träge eine Auge öffnend und wachsam bis in die hinterste Zelle, eine Weile darauf…. Dann….

So beginnt die Reha-Geschichte in meiner Vorstellung.

Und in all dieser Zeit kann  dieses Wort nicht verwendet werden und diejenigen, die das momentan so gern in den Mund nehmen, sagen statt dessen, was der Sachverhalt ist: Tut, was wir euch sagen, haltet euch an die Regeln, die wir uns mit unserem Experten- und Krisenstab für euch ausgedacht haben. Wie wissen nämlich nicht genau, wie wir diese Situation unter Kontrolle bringen sollen. Wir versuchen jetzt, euch unter Kontrolle zu bringen, das gibt uns ein bisschen mehr das Gefühl, gute Krisenmanager zu sein, weil wir da gleich etwas machen, Entscheidungen treffen können. Und nicht abwarten und beobachten müssen und das Leben in seiner Größe und Komplexität, in seiner Unberechenbarkeit und Entfaltungsfähigkeit wahrnehmen müssen. Wir wissen wenig, aber an einem Ende können wir kotrollieren und wir wollen, dass ihr euch vor euch selber schützt, dass ihr die anderen vor euch schützt. Zärtlichkeit und Nähe, leibliche Begegnung und der Trost des lebendigen Körpers – das ist gefährlich. Vertrauen ist gefährlich.

Wenn ihr tut, was wir euch sagen, dann seid ihr……….. (es ist nicht da, es ist auf Reha!)

Gioconda Belli sagte: Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker.

Rehabilitationziel: die  ausreichende Ladung  und Sättigung des Begriffes “Solidarität” mit Zärtlichkeit.

(Selbst-) Regulation

27. März 2020

Die Tage vergehen äußerlich sehr gleichförmig. Innerlich unterscheiden sie sich.

Tage, die produktiv im herkömmlichen Sinn sind, halten die Unsicherheit und Ungewissheit mit Arbeitszufriedenheit in Schach. Tage, die gekennzeichnet durch Kontakte mit Freundinnen und Familie sind, geben das Gefühl, dass es im Umkreis eh allen einigermaßen gut geht und niemand ernsthafte gesundheitliche Probleme hat, das beruhigt das Unbehagen. Tage, die sich eher zäh anlassen, durch eine gewisse Lustlosigkeit gekennzeichnet sind, sind jene Zeiten, wo die Membranen zur Krise, die sich über unsere kollektive Zeit gelegt hat, durchlässig werden und die Fragen ins Innere sickern und es sich dort einmal einrichten. Da treffen die kollektiven dann auf die individuellen Fragen.

Sie sind da- die Fragen und harren der Antworten, die ich nicht so ohne weiteres habe. Ver-Antwort-ung bekommt da eine klare Bedeutung.  Diese Tage haben den Sinn, die Fragen zu hüten, die Ungewissheit zu halten, den Verlust und das Vermissen zu erleiden. Ich befrage mich, ich ver-antworte mich. Und verbiete mir die schnelle Aktion, die doch oft viel einfacher wäre.

An allen Tagen ist Selbstregulation vonnöten. Sorgen für mein leiblich spürbares Dasein, das vor dem Laptop, im Kontakt, im Scannen der aktuellen Nachrichten ganz schnell aus meiner Aufmerksamkeitsradius rausfällt. Dann: atmen, drei Atemzüge wahrnehmen, auf den Boden legen und die Auflageflächen spüren, im Liegen meine Gliedmaßen sanft bewegen, die Atemräume dehnen. Aufstehen und den Boden unter den Füßen wahrnehmen. Bottom up – Regulation: meinen Körper in seiner Lebendigkeit spüren, den Boden, der mich trägt, mein Dasein jenseits von Fragen und Antworten, Daten und Fakten.

Vorsprachliche Poesie, mit einer Ahnung von Vertrauen auf  das JETZT als Boden für das “Auf uns Zukommende” – die Zu-kunft.

Doppelconference

22. März 2020

Der Punkt ist, meine Schmerzpunkt ist: die Erzählung, dass wir einander potentiell gefährlich sind, weil wir – die ganz große Menge an Menschen- nicht wissen, ob wir “das Virus” in uns haben und übertragen können. Und noch immer habe ich nicht wirklich Angst vor diesem Virus, sondern vielmehr vor dem, was diese Erzählung in unseren Beziehungsräumen erzeugt. Dieses Abstand halten, diese Armut für unser taktiles System, dieses im Zaum halten unserer Bedürfnisse nach Nähe und sinn-lichem Spüren der Präsenz des anderen/der anderen.

Wie werden die Begegnungen sein, wenn sie wieder “erlaubt” sind?  Das Vertrauen ist ein scheues Tier, das wird sich nicht sofort wieder zeigen.

Und woran merken wir, dass wir gesund sind? Ich fühle mich gesund, und doch verhalte ich mich, als wäre ich ansteckend. Mein Gegenüber fühlt sich gesund. Aber die Erzählung, dass wir beide krank sein könnten, bestimmt unser Verhalten. Das ist Teil dieser täglichen Surrealität, oder besser Doppelbödigkeit.

Ich glaube für viele von uns, ist diese Situation einer Erinnerung an kindliche Erlebnisse: Ich spüre eine Ungereimtheit, ein Unbehagen. Und die Erwachsenen rundherum beteuern, beschwichtigen, beruhigen scheinbar: Aber nein, das bildest du dir nur ein! Jetzt ist es quasi umgekehrt: Ich fühle mich gesund, das Wetter ist prächtig, der Frühling platzt aus allen Winternähten, das ist pure Lebendigkeit, Wachstum. Aber komm bloß nicht auf die Idee, es der Natur gleich zu tun: viel zu gefährlich, nur nicht turteln, nicht zusammenkommen, Abstand halten, …

Die skurrile  Doppelconference von Empfinden und Erzählung.: das ist es, was neben all den nüchternen, vernünftigen Überlegungen, Berechnungen, Prognosen, Verhaltensregeln auf der großen medialen Hauptbühne auf der Hinterbühne stattfindet.  Mein inneres Publikum pendelt zwischen Haupt- und Hinterbühne hin und her.

Ach, all die frisch Verliebten! Nichts turnt das Immunsystem besser an!

 

Bestandsaufnahme

20. März 2020

Jetzt ist beinahe die erste Arbeitswoche im Ausnahmemodus  vergangen. Für sehr viele Menschen waren die vergangenen Tage eine enorme Herausforderung. An sie habe ich oft gedacht und gestern ist mir diese “große” Welt sehr nahe gekommen und hat mich gelähmt und ziemlich handlungsunfähig gemacht.

Ich merke nach wie vor, dass die Gestaltung dieser Tage, die so ohne Ablenkung sind, so ohne direkten Kontakt zu meinem weiteren Umfeld, herausfordernd  für mich sind. Immer noch: wie oft hole ich Außeninformation ein, wie oft frage ich meine Inneninformation ab (Was fühle ich? Was denke ich? Was spüre ich? JETZT und JETZT und JETZT)?  Wie setze ich meine Prioritäten in dem, was zu tun ist, was ich tun möchte. Wann tu ich NICHTS. Interessanterweise komme ich kaum zum Lesen eines Buches.. Viele kreative Ideen, wovon so gut wie nichts Umsetzung findet. Von Langeweile irgendwie gar keine Spur. Genussvoll ist das Sein im Garten und in der Natur und der Nachmittagskaffee am Balkon in der Sonne.

Das Experiment (von Matthias Horx, Zukunftsforscher angeregt): von Herbst 2020 auf diese Wochen zurückschauen- eine REgnose (vs. PROgnose) wagen… Was siehst du? Was seh ich?

Hier der Link zu dem sehr lesenswerten Artikel: https://www.diezukunftnachcorona.com/die-welt-nach-corona/ 

Ausnahme.Zustand

17. März 2020

Tag zwei der Ausnahmezeit.  Eine seltsame Mischung ist das: tatsächlich kann ich dieser plötzlichen Entschleunigung und dem Verfügen über Zeit nach meinem Geschmack (ich entscheide, wann ich was mache) durchaus was abgewinnen. Trotzdem lauert im Untergrund leises, unsichtbares, amorphes Unbehagen. Mich in meinen Reaktionen auf diese fragile Atmosphäre zu beobachten, ist ein Teil meiner “Tagesaufgaben”: wo und wie schlägt mein Sicherheitsbedürfnis an (es hilft, wenn ich meine Lieben um mich habe)? Wie verändert sich meine Prioritätensetzung (kleine Gartenaufräumarbeiten vor dauernder Außeninformationsbeschaffung)? Wie schaffe ich den Spagat zwischen Verantwortung und obrigkeitshörigem Alles-richtig-machen-Wollen (verschiedenen Handtücher und häufiges Händewaschen JA, Türschnallen desinfizieren NEIN, meine Desinfektionsmethode: Räuchern JA)?

Eigentlich beschreibt das Wort AusnahmeZustand das Dilemma sehr genau: der Zustand als etwas Konsistentes, Kontinuierliches. Die Ausnahme als etwas, das mit Kontinuierlichem bricht und das “Andere”,  Unerwartete beschreibt. Diese beiden Herausforderungen gleichzeitig wohnen dem AusnahmeZustand inne. Es ist wie mit dem Wechsel zwischen den Aggregatzuständen. Das mehr oder weinig konsistente Wasser verdampft unter der Hitze der “Coronabedrohung”  und wird dann diffus, wolkig, indifferent, kann sich aber an kühlen Oberflächen wieder in den Ursprungszustand “flüssig” zurück verwandeln.

Und eben unser scheinbar konsistenter “Zustand” ist ja alles andere als fest und “stehend”….

Mögen wir die Verbundenheit nicht aus den Augen verlieren,  mögen wir unser Immunsystem stärken, möge uns das Lachen nicht ganz vergehen, möge uns die viele Information nicht in unserer Menschlichkeit deformieren!

Immunsysteme

3. März 2020

Allgemein gibt es im Moment nur zwei Themen: das Coronavirus und das Migrationsthema und besonders findige Populisten stricken daraus der Einfachheit halber gleich ein Thema. Die Informationslage ist ab und zu unübersichtlich und von Angst aufgeladen. Dem ist nur Ruhe, Verstand, Empathie und normales Sozialverhalten entgegenzusetzen: das Immunsystem der Gesellschaft. Frischluft, Sonne und ein paar Vitamine sind auch nicht schlecht: fürs individuelle Immunsystem.

Und die große Erde hat sich ohnehin mit den winzigen Königsviren verbunden und fährt so ihr Immunsystem hoch: weniger Flüge, stillgelegte Industrieanlagen, weniger Individualverkehr und schon wären ein paar Forderungen der globalen KlimaschützerInnen erfüllt und die Luftqualität ist nicht nur in China ist augenblicklich besser. Der Preis ist hoch und ich möchte keinesfalls zynisch klingen- und doch – ich kann mich dieser Gedanken nicht erwehren.

Das Immunsystem auf allen Ebenen ist im Blick zu behalten….

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