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Vielschichtigkeit durchwandern

8. Oktober 2020

Die Alltage sind fordernd, noch ein wenig komplexer als sonst, unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Haltungen zu den Kronenviren und den damit einhergehenden Maßnahmen. Sich in dieser Vielschichtigkeit zu bewegen, benötigt Wahrnehmungsfähigkeit, Flexibilität und Reaktionsfähigkeit, bei gleichzeitigem Update der eigenen Haltung, die auch alles andere als klar, eindeutig und unumstößlich ist. Die Meinungsbildungsprozesse sind “fluid”, die Haltung entsprechend beweglich. Ein paar Faktoren aber bleiben: dem Leben (und auch Viren sind Lebewesen) ist nicht mit Kontrolle beizukommen, Angst ist kein guter Ratgeber, Verbundenheit zu kultivieren hilft dem Immunsystem und die von Zeit zu Zeit gestellte Frage: was macht mich gesund, was hält mich gesund?

Meiner Gesundheit zuträglich: Kontakt mit Menschen, denen ich mich verbunden fühle, Lachen, Zeiten von “Nichts” (Stille, allein sein), guter Schlaf, Natur- und Kulturbegegnung, Musik, gute Geschichten, guter Kaffee, gutes Essen, Zufälle (Orakel, die das Leben so vorbeibringt) z. B. (Aufzählung ist unvollständig).

Bühnenstücke

21. September 2020

Kühle, prächtige Herbstmorgen, die sich untertags noch einmal dem Sommer anverwandeln und uns glauben machen wollen, dass der Sommer unendlich ist. Wissen und Sehnsucht schließen sich nicht selten aus und so hänge ich dem Traum nach, dass der Sommer noch ein wenig bleibt, er tröstet einfach über so manches an Seltsamkeit und Zweifel hinweg und ummantelt samten das Herz. Das große Üben von “Hier und Jetzt” geht weiter. Eine Woche ist der maximale Planungszeitraum, mehr ist nicht drin. Die Stunde der Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit, der Entscheidungsfreude und womöglich des Lustprinzips hat geschlagen. Die Freude nicht mehr aufschieben, ihr Raum geben, ihr den Auftritt gestatten, sie kauft den Widersprüchen die Schneid ab, die sich mit ein wenig mehr Raum auch wohler fühlen, um miteinander warm zu werden.

Die inneren Bühnen verlangen ihr Publikum ebenso wie die äußeren sich danach sehnen….Der EigenSinn fröhnt der Performance.

Und wieder: Herbst

3. September 2020

Nicht nur das Licht, die Temperaturen und das Rascheln unter unseren Füßen sagt es uns. Auch der rasche Wechsel zwischen Sattheit, Tomatenflut und Ernteambitionen und einer tiefen und schlagartigen Melancholie, Fragwürdigkeit und dem Erschrecken über den Sinkflug, der längst eingesetzt hat, erzählt davon: der Herbst ist da. Nicht nur als Ankündigung, sondern als Tatsache und höchst ambivalente und herausfordernde Zeit. Diese Erkenntnis fühlt sich gerade an wie ein Kater nach einem lustigen und schönen Fest – wenigstens ist klar, woher er kommt…..

An-erkennen, was ist: Sinkflug, Frag-würdigkeit, Melancholie. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Eigen-Sinn der Wolfsfrau

25. August 2020

Meiner Wolfsfrau („La Loba“) am gefährlichsten ist die überall lauernde Ablenkung.

Besonders die Ablenkung des Bezogenseins, die sofort wirkt, wenn jemand anderer die Szenerie betritt. Der Kontakt zu meinem inneren Fluss, meinem Flow reißt augenblicklich ab, weil Außen Innen immer toppt.

Ich möchte das nicht mehr.

Meine Sehnsucht ist, dass ich mit meinem La Loba – Flow verbunden bleiben kann, solange ich will, und nur ich entscheide, wann es Zeit ist, mich nach außen, zu einer anderen Person hin zu beziehen. Ich war viel zu lange außer mir und finde es gerade so gut mit mir und in mir in Schwingung zu sein, meinen Eigen-sinn zu aktivieren.

Meine Träume haben gerade auch ganz viel mit Schwingungen zu tun, mal tönen sie wie slowenische Volkslieder, innig, schwermütig, mehrstimmig, in satten Brauntönen, mal geht es um märchenhafte Landschaften, die ans große Wasser grenzen und immer wieder auch überschwemmt werden, Menschen in luftig- fantasievollen, libellenartigen, schillernden Kostümen in Blau- Grün-Türkis-Tönen, die freimütig und freizügig aufeinander bezogen sind und die ich durch mein linkes Ohr träume, so als würden die Träume direkt mein Trommelfell in Schwingung versetzen.

So wenig Planung, so viel Agieren aus dem Augenblick wie nur irgendwie möglich, das nährt, macht Sinn, bringt das eigene Innenleben zum Leuchten. Eigensinn bestimmt die Tage.

Fliehkräfte und Medizin

19. August 2020

Vom Unterwegssein zurückgekehrt daheim durch die Tage mäandern, ein bisschen wilder, forschender und abenteuerlustiger als eine “Hausfrau”.

Dem Reisen hat das Einüben ins Nicht-wissen auch gut getan: die Tage, Gegenden, Menschen, Orte, Ereignisse entspannt auf mich zukommen lassen und nicht erobernd darauf “Zustürmen”- wieviel Druck wegfallen kann, wenn es möglich ist, sich in der Zeit JETZT einzurichten. Nicht direkt ein neuer Gedanke, aber viele kleine Bestätigungserfahrungen im Handgepäck, das macht Freude!

Die Wandel – und Wechselprozesse erfassen im Moment jeden Bereich und befeuern und feiern einander. Dafür braucht es starke Medi-zin, die mich in die Mitte bringt und in mir verankert: Nicht mehr und nicht weniger als “Die Wolfsfrau” ist adäquat für derlei. Kraftvolle Geschichten, die einer das Fleisch auf die Knochen drückt, damit die Fliehkraft zwar das Unnötige wegreißt, aber der Kern zusammenbleibt. Durchschütteln, was ohnehin durchgerüttelt ist, mit der Wildheit, der Abenteuerlust und der Kraft mittanzen erscheint sinnvoll.

Geht grad. Mach ich.

Reisezeit ins Nicht-Wissen

6. August 2020

Morgen beginnt auch das äußerliche Unterwegssein. Heuer habe ich Respekt davor, nicht einfach nur Fernweh und Reiselust. Die Vorbereitungszeit ist kurz, die Lust am Aufbruch hält sich in Grenzen. Das ist alles ein bisschen seltsam und irritierend. Selbstirritation ist mir nach den letzten Jahren vertrauter, das Erstaunen darüber, welche Bereiche das zu erfassen beginnt, dann doch immer wieder groß. Je länger ich mich kenne, je besser ich mich kennenlerne, desto weniger weiß ich über mich – kommt mir manchmal vor. Höchst paradox, das alles. Das Potential zur Selbstüberraschung ist also demnach groß. Wie wenig ich eigentlich weiß……

Ressourcen

27. Juli 2020

Nun soll wieder an der Salutogenese weiter gedacht werden und die “Ressource” ins Blickfeld kommen.

Der Begriff “Ressource” kommt aus dem Französischen und noch ursprünglicher vom lateinischen “resurgere” und meint “wiedererstehen, wieder auftauchen, sich erheben, sich erneuern, hervorquellen”.

Der Duden legt folgende Bedeutung fest: “natürlich vorhandener Bestand von etwas, das für einen bestimmten Zweck (…) benötigt wird”.

Dann wird in Wikipedia noch festgehalten, dass es materielle und immaterielle Ressourcen gibt und dass in Psychologie und Soziologie Begriffe wie “Stärken, Kraftquellen, Fähigkeiten, geistige Haltung, soziale Vernetzung” damit in Verbindung gebracht werden.

Damit ist doch ein schönes Feld aufgespannt! Was auf jeden Fall klar wird, ist, dass Ressourcen etwas Höchstpersönliches, Individuelles, sehr Subjektives sind. Jede und jeder bringt einen anderen “natürlichen Bestand” an Fähigkeiten, Stärken und Haltungen mit. Dann ist immer die Frage, was davon sich in der eben jetzigen Situation auch zeigt, was auftaucht in mir und um mich. Was bringt mir das Leben entgegen? Welche Kontakte, welche Bücher, welche Gespräche, welche Landschaften, welche Pflanzen, welche Tierbegegnungen? Und aus all dem setzt sich meine momentane Ressource für die eventuelle Begegnung mit Krankheit und Viren zusammen.

Wenn ich nun davon ausgehe, dass ich einen Einfluss auf meine Ressourcen habe, indem ich für ein soziales Netz sorge, Beziehungen pflege, mich mit meiner Haltung (respektive mit meinen Glaubenssätzen) auseinandersetze, darauf zurückgreifen kann, was ich schon weiß, schon gelesen habe, was ich an Erfahrungswissen in mir trage und worauf ich mich bei mir und an mir wirklich gut verlassen kann, dann ist meine Quelle “gefasst”. Dann gilt es – nur noch – und das ist wohl der herausfordernde Teil – mich in einen Zustand des Vertrauens, der inneren Ruhe, des Atmens zu begeben, um zu begreifen, dass vieles (alles?) DA ist und das Leben für mich sorgt.

Ich kann und will Krankheit und Viren nicht als etwas verstehen, dass man in erster Linie “bekämpfen, ausmerzen, ausrotten, killen, abtöten” muss.

Luisa Francia hat (2003!) in ihrem Buch “Starke Medizin” (eine meiner “Ressourcen” im Bücherregal) über Viren folgendes geschrieben: “Viren sind überall. Da wir sie nicht sehen können, kommen wir nicht auf den Gedanken, sie für legitime BewohnerInnen dieser Erde oder gar des Universums zu halten. (…)Viren sind große Reisende. Sie springen auf und besehen sich die Welt. Selten finden sie mal eine Gemeinschaft vor, in der sie noch beköstigt, gefeiert und bewirtet werden. Selten spricht noch jemand mit ihnen. (…) Sie sind unsere Sensoren. Sie zeigen wo im Körper wir aufgehört haben, lebendig zu sein. Sie wandern an jene Stellen des Körpers, die vergessen, erstickt, verkommen sind. (…) Mit Viren werden wir entweder entscheidende Lernprozesse machen oder als Spezies untergehen.”

Diese Sichtweise möchte ich zu all den Meldungen der letzten Monate einfach mal dazu stellen – der Diversität wegen.

Verinnerlichte Ostung – wieviel kann ich umarmen?

23. Juli 2020

Die Sache mit dem NICHTwissen noch einmal: es kann auch entspannend sein. Ich muss nicht wissen, wie Situationen einer Lösung zugeführt oder fertig gemacht werden sollen. Die Versuchung, genau das immer wieder zu glauben, und ziemliche Anstrengungen dafür zu unternehmen, sind zahlreich. Vom Tun Abstand nehmen und abwarten, zuschauen, gespannt und neugierig sein, wie solche Situationen sich ohne meine “Schon-Wissen-Anstrengung” entwickeln – das wäre doch ein Urlaub der anderen Art…

Dazu ist es aber eben auch unerlässlich, sich radikal mit dem Ungelösten, Unfertigen, Unschönen anzufreunden, es nicht nur auszuhalten, sondern es zu begrüßen und zu umarmen. Ken Wilber meint in einem Interview: “Wieviel kann ich umarmen?” statt “Wie kann ich zeigen, dass meine Sichtweise richtig ist und alle anderen im Unrecht sind?”

Ach, wie gerne ich weiß und recht habe und mir Lösungen ausdenke und dabei keine Ahnung habe, was und wie alles zusammenspielt…. Das Leben ist irgendwie schon größer, als was ich mir so zusammenreime.

Handeln und Gestaltungswille sind mir schnell zur Hand und häufig mit Anerkennung belohnt. Es scheint eine radikale Wendung dessen anzustehen, was ich bisher meinte, sein und tun zu müssen. Ein Wandel, der die Wurzeln erfasst.

Das ist gleichzeitig schwierig und erleichternd, hat mit AusRichtung, also OrienTierung (“Ostung”) zu tun. Ist der Osten vielleicht innen?

Sommerfülle

21. Juli 2020

Morgens aus dem Bett ins (ziemlich verwaiste) Laufgwandl, Badesachen aufs Radl gepackt, zum Fluss geradelt, diesen entlang getrabt, zwei Feldhasen getroffen, dann nach Luft schnappend ins sehr abgekühlte Flusswasser getaucht – ein fantatstischer Muntermacher – und heimgeradelt. So beginnt ein Sommertag nach meinem Geschmack.

Ein Frühstück und ein paar Wäschewandln später finde ich mich nun hier schreibend wieder, was tut sich in den Gedanken- und Gefühlswelten?

Weiterhin umkreise ich das Thema NICHT-wissen, experimentiere mich durch die Tage und das Denken, angereichert durch ein Nachdenken über den Tod, dessen Gegenstück das Leben ist. Der Tod, das Sterben ist allerdings alternativ- und kompromisslos, was ich von meinem Leben nicht immerzu behaupten kann. Vom Standpunkt des Todes aus betrachtet kommt allerdings ein wenig mehr Alternativ- und Kompromisslosigkeit ins Spiel, was der Radikalität des Lebens Auftrieb und Tiefe gibt.

Wie will ich leben? Mit Würde und Tiefe, in Schönheit, mit Humor und Herzlichkeit, nährend und nahrhaft gleichermaßen, sinnlich und sinnvoll, authentisch, fehlerfreundlich, in Entwicklungsgemeinschaft, beheimatet in meinem Leib und meinem Zuhause.

… im Moment angebunden an die Sommerfülle…

Ehren und nähren

16. Juli 2020

Nun haben die Ferien begonnen, der dazupassende Modus stellt sich nach und nach ein. Das erste Wochenende war geprägt von Familienfeier und Packen für ein paar Tage auf der Alm. Nun- wieder zurück, gibt es einen klareren Blick auf das, was wichtig ist: die einfachen Dinge, die alltäglichen Tätigkeiten, die in je passendem Tempo und mit Aufmerksamkeit nach und nach getan werden – und die Ausrichtung in diesen wankenden Zeiten.

Ich erlebe das Wanken auf vielen Ebenen, kollektiv, individuell, körperlich und psychisch, auf Beziehungsebene und in meiner Stellungnahme zu mir selbst. Das Thema, welches sich durchzieht: immer schon alles wissen versus NICHT-wissen. Leider keine neueren und spektakulären Erkenntnisse dazu, außer dem Beschluss, mich mit dem NICHT-wissen anzufreunden, es ein bisschen zu kultivieren, abwarten, was mir das Leben zuträgt, was der Tag so bringt, was sich zeigen will, ein wenig Abstand nehmen von Aktionismus und Aktivismus.

Was mich ehrt und was mich nährt: um ein offenes Ohr und Herz gebeten werden, hören, aus dem Herzen antworten, nichts vermeiden, um passende Worte ringen und dabei ganz ich sein. Das schenken Freundinnen: um etwas bitten, Zeit, ein Geben, das gleichzeitig nährt und bereichert, in der Tiefe der Abgründe mit Sprache spielen und mit herzhaftem Lachen wieder daraus aufsteigen. Nahrhaft und wahrhaftig!

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