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Dichte und Atem

27. November 2019

Da sind sie – die langen Nächte und die kurzen und dunklen Tage. Noch ist die Kälte in Schach, aber auch die wird uns besuchen. Wie immer drängen sich in der Vorweihnachtszeit die Termine, als gäbs kein neues Jahr. Heuer scheint es zu gelingen, den Dezember ein wenig freizuräumen, zu beatmen und die Zeit nicht ganz so zu verdichten. Das braucht aber ein großes Maß an Disziplin und Achtsamkeit.

Hier noch ein kleines GeDicht von Mascha Kaléko:

Die Nacht

in der

das Fürchten

wohnt,

hat auch

die Sterne

und

den Mond.

SelbstErmunterung

16.11.2019

DIE Wirklichkeit

ist immer nur ein Teil MEINER

Wirk lichkeit

Meine Wirk samkeit

erfahre ich

im Entdecken der

AuchWirklichkeit

 

Unter meiner OberFläche

im UnterGrund

im Bauch meiner selbst

den ich am besten

mit einem tiefen

BauchAtemZug

erfahre und besuche

 

Da entsteht sie

die AuchWirklichkeit

sie ist still

sie ist ruhig

sie gebiert

meine WirkMacht

wirkt wundersam

das Gewebe

MEINER Wirklichkeit

 

In Frage stellen/in Frage stehen

14. Oktober 2019

Eine Zeit ist da, in der eindeutig mehr Fragen im Raum und in der Zeit sind, als Antworten. Das stellt einen Zustand der Krisenhaftigkeit her. Und eine gewisse Überblicklosigkeit, ein großes Unwohlsein, eine Fragilität der Routine. Es gibt den Versuch, sich aber dennoch Freiheiten herauszunehmen, statt das To-Do- Listen-Programm abzuarbeiten, einen Blog-Eintrag schreiben, statt zeitig aufzustehen und alles zu erledigen, auszuschlafen und sich auch so zu fühlen, statt dem Versorgungsautomatismus nachzugehen, die Frage zu stellen, was ich heute brauche, was das Not-Wendige ist.

Ein bisschen zum Wort Krise recherchieren und entdecken, dass es auch um Wendepunkte gehen kann…

Gesten eine Sendung über Tiefenökologie gehört und mich wieder erinnert: Dankbarkeit und  Schmerzarbeit sind zentrale Themen ….. also: Wofür bin ich/bist du dankbar? Den Schmerz der In-Frage-Stellung, der Identitätskrise spüren und würdigen, das Nicht-wissen und Nicht- ahnen aushalten. Mir in all dem selbst-verständlich werden.

 

Wählen

29. September 2019

Und wieder- Wahltag. Ich gestehe, dass ich nicht nur gespannt, sondern auch angespannt bin. Die Erfahrung, dass sich Wahlprognosen und mein Gefühl, meine Einschätzung selten decken und dass der Spalt, der sich auftut, wenn die Wahlergebnisse daherkommen nicht wegzudiskutieren ist, sitzt in meinen Zellen. Ich werde wieder fassungslos hineinstürzen…..(oder meine Wahl: mich mit Menschen umgeben, die mir Trost sind!)

Ich hoffe, ich wünsche – und die Hoffnung stirbt zuletzt.  Wie kann das Wissen, das wir über den Zustand unserer Erde, über den Wahnsinn unseres Wirtschaftens, über die Irrwege in unseren Schulen, über die Aushöhlung unseres Sozialsystems haben, immer wieder so wenig Einfluss auf den Moment in der Wahlkabine haben, über dessen Banalität und Einfachheit ich immer wieder staune? Es wird uns im Grunde so einfach gemacht zu wählen UND genau deswegen macht es eben einen riesen Unterschied, wo ich mein Kreuzerl setze. Wir haben, so glaube ich, einfach kein Gefühl dafür, welche Konsequenzen solche “einfachen” Entscheidungen haben.

Wählen ist eine Tätigkeit, “wählen” ist ein Verb. Ich wähle. Du wählst. Sie/er/es wählt. Wir wählen. Ihr wählt. Sie wählen.

Was tun wir genau, beim Wählen?

Unterbrechungen der großen Bewegung

23. September 2019

Noch in der Loslassbewegung macht das Leben eine unerwartete Wendung und die Vorzeichen ändern sich. Alle wieder für kurze Zeit im Haus und wie beim Atmen:

das Einatmen macht den Raum zwar weit, aber die Dehnung der Grenzen erzeugt ein Gefühl von Enge. Das Ausatmen macht den Raum kleiner, aber die Entspannung an der Grenze kann Weite erzeugen.

So tägliche Atemexperimente einbauen, über die Größe des Übungsfeldes staunen und auf meiner Seite bleiben.

Loslassen und Abschied

2. September 2019

Abschied und Loslassen prägt diese Zeit. Den Sommer in den letzten Tagen noch einmal bis zur Neige ausgekostet: baden gehen, laue Abende, Sommerkleidung, das Leben draussen genießen, auf den Berg gehen,…Mit dem jetzigen Wetterumschwung kommen andere Zeiten, das Licht wird anders, die Nächte sind wirklich kühl, das Arbeitsjahr scharrt in den Startlöchern, Neues kündigt sich an.

Dieses Mal gerät das Loslassen noch in andere Tiefen: ein Lebensabschnitt geht zu Ende, beide Kinder leben ihr Leben da draußen in der Welt, selbständig, nicht mehr bei uns wohnend, voller Abenteuer und neuer Erfahrungen. Das “Nest”, welches das gemeinsame Wohnen lange Zeit war, ist nun leer. Die Möglichkeit des Neuen vermischt mit der Trauer um diese langen Jahre des nahen Gemeinsamen. Nicht alles war immer leicht und gut, die Ablösungszeiten waren turbulent, Gratwanderungen manchmal.

Die Zurückbleibende sein, die Leere ertragen, das Neue einladen, nicht wissen, was kommt, Prioritäten setzen, der Traurigkeit nicht ausweichen, die Freiheit erahnen, die Automatismen stören, den Abschied in die Hand nehmen.

Reisebeeindruckt und erkenntnisverarbeitend

19. August 2019

Viel unterwegs gewesen in den letzten Wochen, voller Eindrücke auf der Netz- und Herzhaut und recht glücklich darüber, dass jetzt Zeit ist, die Dinge nachklingen und nachwirken zu lassen.

“Musterhaftigkeit” in zweierlei Hinsicht beschäftigt mich gerade: die Muster, die sehr früh unser Leben prägen und die bei mir auf Reisen sehr deutlich zutage treten UND dieses seltsame Verlangen, einen guten (“musterhaften” ) Eindruck zu machen und möglichst nicht mit den Erwartungen der anderen zu brechen, obwohl das Verlangen danach oft mindestens genau so groß ist. Mich und meine Bedürfnisse wahrnehmen, ernstnehmen und adäquat deponieren.

Hatten wir das nicht schon mal?

Lose Aufzählung diverser Eindrücke: Fantastische Pflanzen- und Tierbegegnungen auf Isola Madre im Lago Maggiore, Rheinbaden und der unvermeidliche “Wickelfisch” in Basel, die Kathedralen von Vezlay, Fontenay, Freiburg, die romanische Kirche San Michele  aus Flußsteinen gebaut in Oleggio, das nächtliche Canobbio, der Maloja-Pass und eine uralte Ansiedlung an der Via Bregalia, morgendliches Schwimmen, wohlschmeckende Picknicks, frische Croissants und Cornetti und super Kaffee, französischer Käse, frische Feigen, guter Wein.

Und zuhause: ein feines Bettchen, eine tägliche Dusche mit warmem Wasser, frische sonnenwarme Tomaten von der Staude, Zucchini, Paprika, Hängematte und Lesestoff,  ein jederzeit aufgeladenes Telefon….ein seeeeehr komfortables Sein ohne akutes Fernweh…..

Wege vom Müssen zum Lassen- die Richtung weisen

10. Juli  2019

     MÜSSEN

     MESSEN

anMASSEN

     FASSEN

     LASSEN

          Der Weg vom Müssen

zum Lassen

ist kein einfacher

Er führt durch die

Untiefen des Vergleichs

und der Selbsterkenntnis

Es gilt

das Wesentliche zu erfassen

und

loszulassen

MÜSSEN

KÜSSEN

KISSEN

FLIESSEN

FLOSSEN

FASSEN

LASSEN

Das Müssen

küssen

sich etwas länger den Kissen

und Pölstern widmen

in den Tag hineinfließen

die Auflösung von Zeit und Struktur ertragen

die immertätigen Hände

in Flossen verwandeln

schwimmen

das Verflüssigte fassen

sodann

es lassen

 

Fülle und samtige Leere

6. Juni 2019

Ein längerer Zeitraum, in dem nichts geschrieben wurde….das Schöne daran: soviel Wandel und Veränderung ist passiert!

Eine komplett neue Regierung unter einer Bundeskanzlerin, eine EU Wahl, bei der die Jugend(nicht nur!) ganz massiv und auffällig sehr grün gewählt hat, ein Frühling, der sich zu einem Sommer entwickelt hat, ein Garten, in dem es blüht und gedeiht, duftet und wuchert. Viele Gedanken und Gespräche, Begegnungen und Berührtheiten. Ein wahnsinnig schöner Abend mit Musik und Text zu Rosa Luxemburg, ein schöner Film über den Radiosender Ö1, spannende Prüfungszeiten, Reisepläne, Porträts die zerstört und wieder genäht wurden, ein Sehen und Erkennen an einem Workshoptag, Grillenzirpen und Fledermäuse des Abends und samtige Sternennächte…..

Ja, ein sattes Leben in Fülle und in großer Bandbreite….

 

Wir können Frühling

28. März 2019

Seit einer Woche ist kalendarischer Frühling – und hier findet sich noch kein einziger Blogeintrag….Und das, obwohl ich diese Zeit wirklich liebe. Ich mag diese Vielfalt an Grün, das Durchbrechen von Frühblühern jeglicher Farbe, die Stimmung von Aufbruch, das Flirren der geballten Energie bevor die Natur geradezu explodiert. Anders lässt sich eine kurz vor dem Aufblühen stehende Magnolie irgendwie nicht beschreiben – da ist Macht, da ist Kraft, da ist die Lust des Lebens am Leben selbst.  Ja, das mag ich wirklich.

Dann sind da noch all die Phänomene unserer Gegenwart: Kinder und Jugendliche, die sich ihre Zukunft zur eigenen Sache machen wollen und befinden, dass diese lahme Klimapolitik geändert werden muss: die Lust des Lebens am Leben selbst.

Singende “Omas” auf Demos und in Wirtshäusern, entschlossener werdender Widerstand gegen die menschenverachtende, nationalistische, rassistische, demagogische Sprache und “Kurz- sichtigen” Aktionen unserer Regierung, die  geballte Inspiration, die von den Sprecherinnen des “Pioneers of Change” und “Education of Change” Online Summits kommt, ein oberösterreichischer Karikaturist und Künstler, der vor Lehrerinnen seine “Schule des Ungehorsams” vorstellt.

Zellen des Aufbruchs, die sich vernetzen und einen Wandel vorantreiben, der not tut wie ein Stück Brot.

Das ist der Frühling: wir kennen ihn, wir können ihn, ich liebe ihn. Er ist da!

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