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Würde

16. Dezember 2021

Würde bedeutet, meine Lebendigkeit und meine Kraft anzuerkennen.

Würde heißt, den eigenen Platz im Kreislauf des Lebens zu kennen und einzunehmen.

Würde heißt, um die Balance zwischen Lassen und Tun zu wissen.

Würde kennt die eigenen Bedürfnisse und sorgt für die Erfüllung dieser Bedürfnisse.

Würde ist gleichermaßen stark und zerbrechlich.

Würde will geachtet, gefunden, wiedergefunden und bewahrt werden.

Vertrauen üben

14. Dezember 2021

Ich glaube, um Vertrauen zu üben, ist es gut alltagstauglich klein anzufangen.

Ich vertraue dem Boden, der mich trägt. Der tut dies in der Regel, egal ob ich liege oder sitze oder stehe oder gehe oder tanze.

Ich vertraue meiner Atmung und meinem Herzschlag. Die Atmung ist zwar leicht störbar und verändert sich im Laufe eines Tages oft. UND sie ist sehr verlässlich.

Ich vertraue meinen Sinnen.

Ich vertraue der Funktion meines Denkens und Sprechens, meiner Kommunikationsfähigkeit und meiner Wahrnehmungsfähigkeit anderen gegenüber.

Und ja: dieses Vertrauen kann erschüttert werden. Durch die Erfahrung eines Erdbebens, durch ein Nachgeben des Bodens, durch ein Stolpern meines Herzschlags, durch die Erfahrung etwas zu übersehen oder überhören,….durch die Erfahrung einfach nicht verstanden zu werden.

Aber was bleibt mir anderes übrig, als mich doch wieder und wieder ins Vertrauen zu geben, es zu versuchen.

Es ist das Vertrauen, das uns offen für die Geschenke des Lebens macht. Der Vorschuss an Vertrauen scheint dafür unerlässlich zu sein.

Und ich weiß nicht genau, ob man sich/ ich mir Vertrauen wirklich verdienen kann.

Was denkst du?

Glitzern von innen

12.12. 2021

Wenn bei dir, so wie bei mir heute, das auch ein bissl nach unentschlossenem Wintersonntag aussieht, dann mach dir ein wenig Platz in dem Zimmer, wo du gerade bist, stell dich hin und lausche dem folgenden Musikstück.

Ich finde das fantastische Musik, die mir in die Glieder fährt und mich von innen mit wilder Freude durchspült.

Einen schönen 3. Adventsonntag für dich!!

Gedicht

11. Dezember 2021

Der Dichte des eigenen Lebens ein „Wenig“ entgegensetzen. Ein Gedicht. Dichte auf kleinem Raum, die sich nach und nach im Inneren entfaltet.

Zärtliche Nacht

Es kommt die Nacht

da liebst du

Nicht was schön-

was hässlich ist.

Nicht was steigt-

was schon fallen muss

Nicht wo du helfen kannst –

wo du hilflos bist.

Es ist eine zärtliche Nacht

die Nacht da du liebst,

was Liebe nicht retten kann.

Hilde Domin

Bedürfnisorientiert

10. Dezember 2021

Hier gibt es die nächsten Tage wenig. Weil ich das Bedürfnis nach „wenig“ habe. Alles ist sehr dicht, sehr verwoben, sehr viel in die Tage gepackt. Ein bisschen Ausatmen, ein wenig Lauschen, Sitzen und den Flocken beim Fallen zusehen und vielleicht Folgendes hören:

Meinen Resonanzraum pflegen, die Schwingungsfähigkeit kultivieren

6. Dezember 2021

Wie weiter oben erwähnt, ist unser Leib unser Resonanzraum, sind wir resonierende Gefäße. Ein wenig geht es wohl darum, dieses Gefäß schwingungsfähig zu halten und es „zu bewohnen“.

Für mich wird im Moment wieder wichtiger, mir morgens Zeit zu nehmen und mich in meinem Leib zu beheimaten. Dazu gibt es Verschiedenstes: ein Ritual, das aus zwei Yogaabläufen und einem Verankern in den vier Vierteln des Lebensrades besteht, ein Schütteln und Zittern, ein Abklopfen, das mich belebt und dann Dehnungsübungen, wo ich es brauche, verschiedenste Atemübungen bei offenem Fenster, dem Andrehen von Musik, die mir gefällt und mich dazu bewegen und tanzen, ein paar kleine Feldenkraissequenzen am Boden liegend,…..

In den letzten Wochen gehe ich das täglich meiner jeweiligen Laune entsprechend an und fühle mich dabei frei und gut mit mir verbunden. Für mich ist ein ganz fixer Ablauf gerade nicht so reizvoll.

Tatsache ist, wenn ich es tu, ist es gut. Wenn ich es nicht tu, fehlt mir ein bisschen was.

Schütteln und Musik hören und tanzen ist jedenfalls sehr nahe am leiblichen Resonanzgeschehen. In einem bewohnten Leib lässt sich der Nachhall gut spüren, ist der Nachklang gut zu üben.

Dem Nachhall Zeit geben

5. Dezember 2021

Alle kennen Klangschalen, vielleicht hast du eine zu Hause. Es gehen aber auch zwei Weingläser… Schlag die Schale an, stoß die Gläser zusammen und höre dir an, was ein Nachhall, ein Nachklang ist.

Probiere das noch einmal aus und lausche der Resonanz, wenn Ruhe ist, lass das nochmalige Anschlagen aus deiner Atembewegung kommen. Experimentiere ein bisschen mit der Rhythmik von Aktion – Nachhall – Aktion – Nachhall

Im Gespräch mit jemandem – vielleicht zum Üben nicht gerade in einem Konfliktgespräch oder einer Meinungsverschiedenheit, zuhören und dann dir ein bisschen Zeit verschaffen in dem du ein ein summenndes „Mhmmmm!“ murmelst. (Regt übrigens die leiblichen Resonanzräume an) Wenn das als Aufforderung zum Weiterreden des Gegenübers mißverstanden wird, dann formuliere, dass du ein bisschen Zeit brauchst für die Resonanz, die da in dir entsteht. Versuche das Gespräch zu entschleunigen, du kannst dann auch noch einmal „Ich höre, du sagst …..“ formulieren, dann entsteht eine Resonanz in euch beiden, durch die Wiederholung.

Einfach versuchen, wenn es passt und du Lust darauf hast. (Ich habe darauf nicht immer Lust, nur dann, wenn ich mir das zum Anliegen machen will.)

Was ich an mir bemerkt habe, wenn Zeiten, Begegnungen, Ereignisse sehr intensiv und vielleicht auch fordernd oder aufregend sind, tut es mir gut, mir eine Nachhallzeit zu schenken. Es hilft, mir nicht den nächsten Termin, das nächste Gespräch, das Scrollen in den neuesten News ins darauf folgende Zeitfenster zu packen. Ich habe entdeckt, dass das Sitzen im Zug eine Nachhallzeit sein kann, wenn ich eben nicht das Handy hervorhole und nacharbeite oder durch die Nachrichten zappe. Hin und wieder gelingt mir das. Ich beginne gerade auch zu schätzen, dass ich abends noch bei Licht im Bett liege und dem Nachklang des Tages lausche, bis es stiller wird in mir. Ab und zu lese ich noch, oft drehe ich einfach das Licht ab und schlafe dann ein.

Nachhall

4. Dezember 2021

In den letzten Tagen ging es ein bisschen darum, die Wahrnehmung an sich aus einem gesamten Prozess herauszuschälen und „pur“ zu machen. Ich habe dem „Wahrnehmungspurismus“ das Wort geredet, sehr wohl wissend, dass das Hören, Sehen und Spüren und noch viel mehr das Riechen sehr schnell unseren Leib samt unserem Gehirn und Bewusstsein in Schwingung, Resonanz und Reaktion versetzen. Die eingezogene Pause braucht ganz schön viel Entschlusskraft, Bewusstheit und den Mut zur Entschleunigung.

Dieser Entschleunigung mag ich noch nachgehen. Unser Leib ist der Sitz unserer Sinne, unserer Antennen und gleichzeitig ist er Resonanzorgan (und dann auch das Instrument unserer Reaktion und unseres Handelns).

Und in Wahrheit ist es so: ich BIN Leib, Antenne, Resonanzraum und reagierend Handelnde.

Worauf ich Einfluss habe, ist aber wieder die Haltung dazu.

Ich fände (ja – die Möglichkeitsform) es manchmal so gut, so hilfreich, wenn nach einer Wahrnehmung eine Nachhallzeit für die Resonanz möglich wäre. Das Reagieren, der Widerspruch, die Gegenrede springen nicht gleich an, sondern es gibt Zeit und Muße, das gerade Gehörte, Gespürte, Gesehene nachklingen und nachhallen zu lassen in meinem Resonanzraum, der mein Inneres ist. Wenn das Schwingen, die Bewegung, die Bewegtheit, die Regung wieder zur Ruhe gekommen ist, dann entwickelt sich (entwickle ich) aus der immer vorhandenen Atembewegung, aus meiner Resonanz heraus die Aktion, die vielleicht Re – Aktion ist, aber nicht notwendigerweise.

Und auch da, es braucht den Mut zur Entschleunigung, das Innehalten, das Berühren-lassen, das Ausschwingen-lassen.

Wahrnehmung kultivieren

3. Dezember 2021

Die Wahrnehmung zu kultivieren bedeutet, meine Sinne zu nutzen, ihnen zu trauen, ihnen immer wieder auch„Futter“ zu geben, das bekömmlich ist. Sehen, was mir Freude macht, zu sehen. Hören, was mich belebt, Spüren, was mir wohltut, Riechen und Schmecken, was mir gefällt.

Mir gefällt z. B. dieses Lied von den Strottern und es passt auch vorzüglich in diese Zeit:

Das Wort „Ästhetik“ leitet sich vom altgriechischen „Aisthetikos“ „der Wahrnehmung fähig“ her.

Dem puren Wahrnehmen wohnt womöglich Schönheit inne.

(M)Ein Buchtipp: „Wenn wir wieder wahrnehmen“ von Heike Pourian

Aus dem Klappentext: Könnte es sein, dass dem Sinnlichen, Genussvollen und Spielerischen unsere größte politische Kraft innewohnt?

Ja, könnte das sein?

Wahrnehmung üben

2. Dezember 2021

Unter „Üben“ verstehe ich, sich etwas zum Anliegen zu machen und ergebnisoffen damit zu experimentieren: mich also üben in Wahr- nehmen. Die Pause er-innern. Ver-innerlichen.

Eine Möglichkeit: Meine Wahrnehmung öfter einmal für mich in einfache, beschreibende Worte fassen.

Fast nüchtern sagen, was der Fall ist.

Zu meinem Gegenüber sagen: Ich höre, du sagst …. Ich sehe….Ich spüre….

(Ich höre du sagst, dass du die Impfpflicht nicht haben willst.)

Die Nachrichten: Ich höre, ich sehe,…..

(Ich höre, es gibt eine neue Variante des Coronavirus. Ich höre, es wurde in Afrika entdeckt.)

Das Bleiben üben, dem Abtauchen widerstehen.

Zweite Möglichkeit: Mir reizarme Räume und Zeiten schaffen, um das Wahr-nehmen zu verfeinern und den Antennen Erholung zu gestatten, z. B. einen Spaziergang machen: Ich höre, ich sehe, ich spüre….

(Ich sehe Blätter, die der Wind vom Baum holt. Sie sehen aus wie ein Vogelschwarm. Ich sehe einen Vogelschwarm, der sich auf den entblätterten Baum setzt.)

Dritte Möglichkeit: Meinen Antennen, meiner Wahrnehmung Ruhe und Stille schenken.

In die Stille lauschen, in den leeren einfachen Raum sehen, nur mich, meinen Leib spüren.

Genug. Sein.

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