Schlagwort: Andreas Weber

Verkörperte Zustimmung

30. Jänner 2018

Doch – unterbreche ich meine Gedankenschleifen – doch, da waren gestern gelungene Momente. Es hat etwas, von dem, das ich in die Welt bringen mag, stattgefunden: echter Kontakt, schöne Gespräche, mündige Jugendliche, Wahrnehmung und Spielerisches Zugehen auf die Welt.

Und wieder einmal Andreas Weber, aus dessen Schatzkiste ich gestern ein paar besondere Perlen gehoben habe: “Fühlen ist das Barometer der Lebendigkeit in uns. (….) Fühlen ist die Bedeutung unserer Lebenssituation nach innen. (…) Gefühle sind ein poetischer Kommentar zur eigenen Existenz – genauso indirekt, genauso kreativ, genauso schwer unterdrückbar wie ein Ausruf, eine Zeichnung, ein Vers, eine Melodie, eine Landschaft, deren emotionaler Gehalt uns bis ins Mark erschüttert.”

“Anders als ein Mensch offenbart die Natur uns ihre existentielle Verfassung ohne Scheu, Scham und Hintergedanken. (….) Sie ist der Ort, der Trost spendet, wenn wir mit unseren Bedürfnissen auf Ablehnung oder Unverstand stoßen. Sie ist der Raum, der kein Gefühl verheimlicht und uns daher erlaubt, die eigenen Gefühle zuzulassen. (…) Natur gestattet jedem sein authentisches Selbst.”

In mir entsteht für diese Worte bis in die hinterste Zelle eine unglaubliche Resonanz, das ist gefühlte, eingeatmete Wahrheit. JAAAA tönt es in Herz und Nieren. Die Lunge holt Luft bis in die tiefsten Winkel und die Leber lacht sich ins Fäustchen. Das nenn ich verkörperte Zustimmung ….

Übers Sterben lernen, lebendig zu sein

21. November 2017

Heute soll der Blogeintrag wieder einmal Andreas Weber gewidmet sein. Immer noch lese ich in seinem Buch “Lebendigkeit- eine erotische Ökologie”. Gestern Abend gelangte ich zu diesen seinen Aussagen:

” Das Universum ist nicht bloß zärtlich. Es ist ebenso tödlich wie es zärtlich ist. Und zärtlich kann es nur sein, weil es tödlich ist. Zärtlich kann es nur sein, indem sich diese Zärtlichkeit beständig gegen den Tod zur Wehr setzt.”

Und der Tod begegnet uns nicht erst als das physische Ende unseres Lebens, sondern…..”Er umfasst jedes kleine Sterben des Abschieds, der Unsicherheit, der Nacktheit, der Hilf-und Schutzlosigkeit. Zu ihm gehört jeder Moment, in dem ich nicht `Herr der Lage` bin,….”

” Sterben lernen heißt somit, die Wirklichkeit sehen, ohne sie in eine angenehme Richtung zu bürsten. Nur das bedeutet wirklich zu sehen. Und nur das bedeutet, plastisch zu sein, schöpferisch zu sein, ohne sich für seine Unvollkommenheit schämen zu müssen.”

Hier also wieder einmal die Kategorie “Blech weg”.

“Da fliegt mir doch das Blech weg!”

8. November 2017

Kennst du dieses Gefühl, wenn du etwas liest, das ziemlich genau beschreibt, was du zutiefst weißt, was aber in dir noch nicht in die passenden Worte gefunden hat? Dieses bis in die hinterste Zelle zu spürende “JA, genau! JA, JA, JA!!!” , dieses “Da fliegt mir doch das Blech weg!” -Gefühl. Das hat mich gestern Abend überschwemmt, im Zug ein bisschen gelesen in Andreas Webers “Enlivement” und dann die Stelle, die eine für mich hochgradige Brisanz hat:

“….Bedürfnisse bedeuten nichts anderes, als das wir lebendig sind. Sie lassen sich nicht unterdrücken, weil sie die Wirklichkeit sind. Man kann sie nur einsperren. Sind Gefühle eigesperrt, werden sie toxisch, das heißt der Schmerz der Unterdrückung wird zur unbewussten Legitimation einer Unterjochung der anderen. Das ist ein Dilemma, das vielleicht am tiefsten für unsere Unfähigkeit verantwortlich ist, die Praxis des Toten zu stoppen, und es geht jeden an. Die Befreiung des Fühlens aus dem Gefängnis effizienter Kontrolle ist somit das erste Ziel eines Strebens nach poetischer Objektivität.”

Poetische Objektivität geht über eine abstrakte Objektivität hinaus. “Eine solche Haltung versteht die Wirklichkeit als Beziehungssystem, nimmt den Körper als Ort existentieller Erfahrungen ernst und unterdrückt Bedürfnisse nicht mehr im Dienste der Kontrolle und des eigenen Genügens.”

Es geht jeden und jede an. Es geht mich an. Meinen Körper als Ort meiner existentiellen Erfahrungen ernst nehmen und dafür sorgen, das Gefühle in mir nicht toxisch werden müssen. Meine Wirklichkeit anerkennen.

Wählen

15. Oktober 2017

Heute also Wahlsonntag da in Österreich…Ich lese gerade in Andreas Webers “Enlivement” und in seinem Buch “Lebendigkeit- eine erotische Ökologie” und bin gerade sehr nachdenklich und sehr inspiriert davon… Auf diesem Weg auch wärmste Empfehlung….

Die Tätigkeit “wählen” entspringt dem Bedürfnis der Freiheit (zu finden in der “Matrix der menschlichen Bedürfnisse” von Manfred Max-Neef) und äußert sich in den Seinsqualitäten Unabhängigkeit, Leidenschaft, Selbstachtung und Offenherzigkeit. Wollen wir also unsere heutige Tätigkeit des Wählens rückverbinden mit unseren ursächlichen Bedürfnissen und den Möglichkeiten der Demokratie, dann bekommt diese wahrlich nicht einfache Entscheidung Futter aus der richtigen Richtung. Nicht Angst, nicht Kalkül, nicht Enge, nicht Verdruss soll unsere Entscheidung beeinflussen NEIN! Unabhängigkeit, Leidenschaft, Selbstachtung und Offenherzigkeit!

Und dem Wahlergebnis wird wohl auch in diesem Sein zu begegnen sein! Denn was wir aus der Freiheit auf der “Haben-Seite” verbuchen, sind gleiche Rechte. Das Recht zu wählen, nehmen heute alle Wählerinnen wahr. Sicher aus unterschiedlichen Motivationen, das ist schon klar. Wir werden also um einen intensiven und heftigen Diskurs nicht herumkommen und der wird mit Sicherheit in den nächsten Wochen nicht nur auf politischer Ebene stattfinden müssen, sondern beherzt, leidenschaftlich und unabhängig und in großer Selbstachtung auch in unseren Leben. Wir werden unterschiedlicher Auffassung sein, wir werden Risiken eingehen müssen für unsere Freiheit und wir werden Bewusstsein entwickeln müssen – auch das Tätigkeiten, die neben dem “Wählen” aus dem Bedürfnis nach Freiheit entstehen.

Das ist der Preis für die Freiheit und Teilhabe, die wir für uns in Anspruch nehmen wollen. Und aus dem Bedürfnis der Teilhabe ist zu tun: zusammenarbeiten, widersprechen, Meinungen äußern.

Und aus dem Bedürfnis des Verstehens erwachsen die Seinsqualitäten Einsichtsfähigkeit, Neugier und Intuition, die Tätigkeiten erkunden, lernen, nachdenken, erforschen an den Orten: Familien, Gemeinschaften, Schulen, Universitäten.

Ich glaube, ich habe neuerdings die erste Tabelle, die sich “Matrix” nennt, entdeckt, die mir zu mehr Klarsicht und Erkenntnis verhilft….