Schlagwort: Eigensinn (Seite 1 von 2)

Hören, Lauschen und Losen

25. Dezember 2020

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Im Moment bleibt wenig zu sagen. Aus einem auslaufenden, selbstgewählten Auftrag, Ratlosigkeit, offenen Fragen und dem Versuch, das Leben zu lieben, das da ist, werden um diese Zeit keine haltbaren Blog- Beiträge mehr.

So verabschiede ich mich in die Raunachtszeit, die dazu angetan ist, ruhig zu sein, still zu halten, zuzuhören und zu lauschen. Ich werde also meine Sinne und meine Zellen auf Antenne und Empfang schalten, mich in einen anderen Modus zurückziehen und meinen EigenSinn pflegen, bis es wieder etwas zu sagen gibt.

Habt auch ihr eine gute Zeit, ein feines Sein, ein offenes Ohr und ein lauschendes Herz…..

Weih-Nacht

24. Dezember 2020

Du bist bis heute durch diesen Advent mitgegangen. Danke dafür!

Heute lade ich dich (und mich!) ein, den Tag durch die Genuss-Brille zu betrachten: Was macht mir Freude, was lässt mich die Zeit, das Zusammensein mit den anderen Menschen genießen?

Das setzt ein Gespür für Präsenz und Da-Sein voraus- wir haben in den letzten Tagen ein wenig geübt: Lass die Füße den Basiskontakt zum Boden herstellen. Atme aus und bewusst ein, sei mit dir und bei dir. Dann gibt es eine weiche Aufmerksamkeit mit wachen Sinnen für die Menschen und die Welt. „Antennig sein“: die Welt, das Fest, die Menschen kommen auf dich zu. Du musst nichts tun. (Ja, das klingt auch für mich paradox. Ist aber so.)             

Was siehst du? Was hörst du? Was gelangt an deine Haut, was spürst du? Was riechst und schmeckst du? JETZT.

Genieße. JETZT.

Die Zeit ist da. JETZT.

Du bist da. JETZT.

Die Welt ist, wie sie ist. JETZT.

Atmen. JETZT.

Das weiht die Nacht.

Weih-Nacht.

Schütteln und atmen

13. Dezember 2020

Eine gute Möglichkeit, die eigenen Batterien mit dem Sinn fürs Eigene- dem EigenSinn – zu laden, ist folgende Körperübung:

Stelle dich hin, hüftbreit, Basiskontakt mit den Fußsohlen am Boden. Dann beginne, dich zu schütteln, das geht einfach, indem du mit den Händen und Armen beginnst und dann das Schütteln und Vibrieren sich ausbreiten lässt über den ganzen Oberkörper, dann Knie schlottern, das erreicht dein Becken, deinen Rücken. Kopf und Gesicht nicht vergessen. Hab keine Angst vor dem Gefühl, dass du plötzlich deine Masse spürst, Muskeln, Fett, deinen Körper, der auf den Knochen sitzt. Das Vibrieren und Schütteln ist leiblich gewordene Energie. Gehaltenes, Stagniertes, Verfestigtes wird beweglich und macht sich dann im Anschluss frei auf Form- und Ortssuche. So stelle ich mir das vor….

Mache insgesamt drei Schütteldurchgänge, kleine Pausen und dann noch zweimal beginnen.

Dann Stehen und Spüren – aaaaaahhhhh!

Leg dich auf den Boden, Beine aufgestellt, Arme ausgebreitet, im Abstand zum Oberkörper, Handflächen auf den Boden.

Atme ein, tief in den Bauch, atme aus und bringe den unteren Rücken in spürbaren Kontakt mit dem Boden. Atme ein und kippe das Becken sachte weg von dir, es entsteht ein Bogen im unteren Rücken. Atme aus und kippe das Becken zu dir her, der untere Rücken drückt gegen den Boden, du kannst den Beckenboden in dir hochziehen. Atme ein, hole Luft durch den Mund und durch das lockere Becken, atme aus und spüre den Bodenkontakt in deinem Rücken. Daraus kann eine organismische Basisbewegung werden, ausdehnen, weiten, zusammenziehen und den Kontakt zum Boden, zur Erde wahrnehmen. Finde deinen Rhythmus und den Grad der Intensität, der dir gut tut.

Ausdehnen, zusammenziehen außen sichtbar.

Ausdehnen, zusammenziehen in deinem Innenraum, der die Organe beherbergt.

Ausdehnen, zusammenziehen auf der Ebene der Zellen, auch die hintersten, untersten erreicht der Sauerstoff in deiner Atemluft.

Lass den Rhythmus ruhiger werden, forciere nichts, sei weich in deiner Wahrnehmung und in deinem Blick auf dich.

Lass die Knie nach links und rechts pendeln, strecke dich, richte dich über die Seite auf zum Sitzen, zum Stehen. Beginne dich mit kleinen Gewichtsverlagerungen zu bewegen.

Tanze.

Ein anderer Blick

11. Dezember 2020

Von Luisa Francia habe ich einen anderen Blick auf Gesundheit und Krankheit erfahren, der sich mehr und mehr in mich einprägt. Heute gibt es einfach ein paar Zitate, die mich inspirieren, in einen anderen Modus bringen und meinen Blick schulen. Vielleicht ist ja auch das ansteckend….

Heilung als Friedensabkommen

Obwohl Gesundheit der natürliche Zustand des Körpers ist, sind wir uns sicher darüber einig, dass Krankheiten und Störungen, Hindernisse, das Eindringen von fremden Teilen oder Wesen, der Verfall des materiellen Körpers und die Reaktion des Körpers auf seelische und spirituelle Spannungen durchaus normal und ein Zeichen von Lebendigkeit sind.

Weil es in unserer Kultur so etwas wie ein Primat des gesunden, mobilen Körpers gibt, also die Pflicht jedes Hindernis gleich auszuschalten, ist die Reaktion auf Krankheit im allgemeinen: Diese Krankheit muss so schnell wie möglich weg…..

                (….)

Das vollkommene Immunsystem ist nach meiner Erfahrung ein spielerisches, bewegliches, übermütiges Universum, das närrisch mit allen anfallenden Problemen umgeht.

Je weniger Platz Lust und sinnliches Vergnügen im Leben haben, umso enger wird auch das Immunsystem.

Interessanterweise heilt darum auch nicht immer die klassisch erprobte Substanz die entsprechende Krankheit. Wenn alle Kräfte im Körper immer wieder neu geordnet, neu definiert und kombiniert werden, brauchen sie manchmal Spielgefährten, die ganz ungewöhnlich sind. Das merkt man an seltsamen Gelüsten oder Einfällen. Auch die Frage nach dem eigenen Rhythmus und dem richtigen Zeitpunkt für eine mögliche Heilung ist nicht unwichtig.

(aus: Starke Medizin, Handbuch zur Selbstheilung, Luisa Francia, verlag frauenoffensive, 2003)

Bühnenstücke

21. September 2020

Kühle, prächtige Herbstmorgen, die sich untertags noch einmal dem Sommer anverwandeln und uns glauben machen wollen, dass der Sommer unendlich ist. Wissen und Sehnsucht schließen sich nicht selten aus und so hänge ich dem Traum nach, dass der Sommer noch ein wenig bleibt, er tröstet einfach über so manches an Seltsamkeit und Zweifel hinweg und ummantelt samten das Herz. Das große Üben von “Hier und Jetzt” geht weiter. Eine Woche ist der maximale Planungszeitraum, mehr ist nicht drin. Die Stunde der Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit, der Entscheidungsfreude und womöglich des Lustprinzips hat geschlagen. Die Freude nicht mehr aufschieben, ihr Raum geben, ihr den Auftritt gestatten, sie kauft den Widersprüchen die Schneid ab, die sich mit ein wenig mehr Raum auch wohler fühlen, um miteinander warm zu werden.

Die inneren Bühnen verlangen ihr Publikum ebenso wie die äußeren sich danach sehnen….Der EigenSinn fröhnt der Performance.

Der Eigen-Sinn der Wolfsfrau

25. August 2020

Meiner Wolfsfrau („La Loba“) am gefährlichsten ist die überall lauernde Ablenkung.

Besonders die Ablenkung des Bezogenseins, die sofort wirkt, wenn jemand anderer die Szenerie betritt. Der Kontakt zu meinem inneren Fluss, meinem Flow reißt augenblicklich ab, weil Außen Innen immer toppt.

Ich möchte das nicht mehr.

Meine Sehnsucht ist, dass ich mit meinem La Loba – Flow verbunden bleiben kann, solange ich will, und nur ich entscheide, wann es Zeit ist, mich nach außen, zu einer anderen Person hin zu beziehen. Ich war viel zu lange außer mir und finde es gerade so gut mit mir und in mir in Schwingung zu sein, meinen Eigen-sinn zu aktivieren.

Meine Träume haben gerade auch ganz viel mit Schwingungen zu tun, mal tönen sie wie slowenische Volkslieder, innig, schwermütig, mehrstimmig, in satten Brauntönen, mal geht es um märchenhafte Landschaften, die ans große Wasser grenzen und immer wieder auch überschwemmt werden, Menschen in luftig- fantasievollen, libellenartigen, schillernden Kostümen in Blau- Grün-Türkis-Tönen, die freimütig und freizügig aufeinander bezogen sind und die ich durch mein linkes Ohr träume, so als würden die Träume direkt mein Trommelfell in Schwingung versetzen.

So wenig Planung, so viel Agieren aus dem Augenblick wie nur irgendwie möglich, das nährt, macht Sinn, bringt das eigene Innenleben zum Leuchten. Eigensinn bestimmt die Tage.

Aus der Fülle kommend die Antennen verfeinern

27. Oktober 2018

Bewegte Zeiten, Unterwegssein und Fortbildungszeit. Eine Fülle an Input und Interessantem in den letzten zehn Tagen erlebt, in einer Dichte und Taktung, die manchmal an der Overload-Grenze entlangschrammte. Aber auch viele Momente der wilden Freude, des Glücks, des Berührtseins und der Erkenntnis.

Jetzt merke ich, dass ich intensiv mit der Verdauung des Erlebten beschäftigt bin:  Bilder und Erinnerungen kommen unvermittelt immer wieder zum Vorschein und meine Träume sind belebt mit vielen Menschen, hohem Tempo und Gewusel. Da kommt so ein Regentag mit einfachen und ordnenden Tätigkeiten gerade recht…..

Zwei Gedanken drängen sich im Moment ein wenig in den Vordergrund:

Die – auch im Austausch mit vielen Menschen in den letzten Tagen vermehrt wahrgenommene – Veränderung, die sich (gesellschafts)politisch ereignet und die spürbarer wird: manchmal subtile, manchmal brachiale Umbauarbeiten und Einschränkungen in diversen Gremien und Bereichen, die bei gleichzeitiger ständiger Anheizung der Flüchtlings- und Grenzschutzthematik, die medial pausenlos kommuniziert wird, unter der Wahrnehmungsschwelle in einem Blitztempo vorgenommen werden und an vielen Orten in der Gesellschaft zeitgleich passieren und die ich in ihrer Fülle bedrohlich erlebe

UND

ein Nachdenken über die Wechselwirkung von Eigen-Sinn UND Solidarität und Verbundenheit. Ich halte beiderlei für unerlässlich und behalte die alltägliche Herausforderung, im Detail zu entscheiden, was das Leben gerade verlangt, sehr genau im Fokus. Sich verbunden zu fühlen und in die eigene Autonomie hineinzuwachsen, ist ein Spannungsfeld, in dem Lebendigkeit und Entwicklung möglich ist – bei zeitweiligem Schmerzempfinden und nicht gerade frei von Turbulenzen….

Wahrnehmung scheint im Moment das Mittel der Wahl zu sein: Hinschauen, Hinhören, Hinspüren.

Dahinterschauen, Nachlauschen, Darunterspüren. Die Antennen und Sensoren verfeinern und schärfen, damit das “Herz auffährt, wenn es die Wahrheit verraten sieht.” (Dorothee Sölle)

 

Resonanz

4. Oktober 2018

Ein Modewort, das ich trotzdem liebe und gerne gebrauche. Ein Raum, der mitschwingt, in dem etwas ausgelöst wird, der sich beweglich, berührbar zeigt. Resonanzräume finden sich innerleiblich, in Gesprächen und Beziehungen, aber auch in Ereignissen und Erlebnissen, die einem widerfahren, wenn ein Thema präsent ist und beschäftigt.

Was passiert, wenn meine Themen oder ich keine Resonanz vorfinden?

Das frage ich mich gerade. Da gibt es in mir Automatismen, die mich gleich als Ganzes in Frage stellen. Diesen Reflexen will ich mich nicht mehr ausliefern UND was Anderes, Klares, Neues ist auch noch nicht da. Vorerst ist da nur der Entschluss nicht mehr automatisch, reflektorisch zu reagieren. Da öffnet sich das Feld der Fragen und Gedankenexperimente. In Frage gestellt sein, löst häufig aus, mehr Anstrengung zu unternehmen, um mich oder meine Themen doch noch zu positionieren. Oder mich beleidigt zurückzuziehen und mich ungesehen und unerkannt zu fühlen.

ODER/UND: Ich und meine Themen bleiben mir ein Anliegen, ich bleibe bei mir, ich nehme den fehlenden Resonanzraum zu mir und schule darin meinen Eigen-sinn, drehe meine Themen und mich noch eine Runde, schau noch mal hin, blicke noch einmal dahinter, wasche Hader, Groll und Unbereinigtes heraus und hänge dann gegebenenfalls das frisch Gewaschene noch einmal an die Luft respektive in einen eventuellen Resonanzraum.

Un-mittel-barkeit

1.Oktober 2018

Neben eigensinnig wär ich auch gern unmittelbar. Keinen Mittler zu brauchen, bedeutet eigentändig und  selbst-sicher genug zu sein, um für das, was ich denke, bin und sage direkt und zeitnah einzustehen. Ich beobachte mich seit einiger Zeit und stelle eine große Anzahl an Filtern fest, die die Un-mittel-barkeit ziemlich verwaschen. Sosehr verwaschen, dass die Impulse und Bedürfnisse, die dahinter und darunter liegen, für mich selbst oft gar nicht mehr erkennbar sind.

Das Aufgeben der Unmittelbarkeit und das ausführliche Filtern passiert ja recht unbewusst. Nur der Gedanke “Wie sieht denn das aus?” oder “Wer bin ich, mir das herauszunehmen?” oder “Was werden sich da die Nachbarn (die Leute, die Kolleginnen, die Kinder, meine Freunde,…..) denken?” sind echte Unmittelbarkeitskiller.

Wir alle kennen Menschen, die wir als unmittelbar, direkt und eigensinnig erleben. Kinder, die in einem sicheren und wertschätzenden Umfeld groß werden, besitzen diese Eigenschaften häufig noch. Ich kenn aber auch Erwachsene, die ihren Eigensinn kultiviert haben. Die Gesellschaft solcher Menschen ist anregend, inspirierend, unkompliziert, klar und herzöffnend.

Wahnsinnig anstrengend kann es hingegen sein, mit Menschen umzugehen, die ihre wahren Motive verschleiern, nach Anerkennung und dauernder Beantwortung schielen, scheinbar souverän nur das vom Stapel lassen, das gehört werden will. Das ruft ein Gefühl von Klebrigkeit, Skepsis und Wiederstand hervor.

(Kühne These übrigens: je mehr eine Gesellschaft die eigenen Worte und Taten verschleiert, umso größer und lauter muss sie gegen Verschleierung, welche aus anderen Kulturen kommt, aufschreien und auftreten – ist nur so ein Gedanke und eine Facette. Verschleierung ist immer ein Angriff auf die Unmittelbarkeit….)

Der langen Rede  kurzer Sinn: Unmittelbarkeit und Eigensinn wollen kultiviert werden!

 

…und noch ein Sinn

18. September 2018

Jetzt ist es wirklich lange her, dass auf diesem Blog was geschehen ist. Das sollte nun wieder öfter passieren.

Vieles ist in der Zwischenzeit geschehen, viel erlebt, Orte gesehen, Gegenden durchstreift, innere Räume durchschritten, Gedanken gefolgt. Mich dem Unterwegssein hingegeben und dem Heimkommen ausgesetzt, mich dem Unterwegssein ausgesetzt und dem Heimkommen hingegeben.

Und drei Themen, die sich in den letzten Wochen festgehakt haben, eines davon: Eigensinn.

Eigensinnige Menschen sind landläufig eher nicht so beliebt. Der Umgang mir ihnen kann mühsam sein, sie sind ein bisschen unberechenbar und so gar nicht “pflegeleicht”. Einmal abgesehen davon, dass keiner wirklich wollen kann, berechenbar und pflegeleicht zu sein, finde ich den Eigensinn bei genauerem Hinsehen hochinteressant und total attraktiv!

Eigen- Sinn, der Sensor, der Sinn fürs Eigene, für das, was mich unverwechselbar macht und meine Persona prägt. Der mir die Berechtigung verleiht, weil es Sinn macht, diesem Eigenen, Unverwechselbaren nachzugehen und nachzugeben. Eigensinn stell ich mir vor, wie so eine Art “Innenseite von Identität”.  Seit einiger Zeit schult sich dieser Eigensinn in mir und ich stelle fest, dass er auch in kleinen Entscheidungssituationen ein guter Ratgeber ist. Er behält im Blick, worum es mir “eigen-tlich” geht und sorgt dafür, dass mir das nicht dauernd wegrutscht. Das bewahrt mich vor dem einen oder anderen Dilemma, was ich außerordentlich schätze!

Und nicht zuletzt hat Eigen-Sinn auch zu tun mit Selbst-wahr-nehmung. Sich zu kennen, um die eigenen Muster und Gewordenheiten zu wissen, sich zu spüren als Mensch mit Bedürfnissen und Gaben, im Rauschen der Welt dem eigenen Klang lauschen zu können, das verstehe ich neuerdings unter Eigen-Sinn. Im Übrigen schult die Feldenkraismethode genau diesen Eigen-Sinn aufs vorzüglichste…..

 

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