Schlagwort: Fragen

LEB!kuchen

2. Dezember 2020

Seit ein paar Jahren (genau gesagt nach meiner ersten Begegnung mit Ursula Seghezzi) birgt der frühwinterliche Lebkuchen einen Appell. Er ist die sich einzuverleibende Aufforderung, aus ganzem Herzen zu leben. Ohne Wenn und Aber, ohne Aufschub.

Deswegen ist er seit einigen Jahren eine absolute Not-Wendigkeit – spätestens zu Beginn des Advents. Wenn- wie jetzt – das Leben so eingeschränkt scheint, wenn Menschen sich viel zu früh aus dem Leben verabschieden, wenn sich ein bitterer Schmerz im Zwerchfell festsetzt, wenn  vielen Fragen viel zu wenige Antworten gegenüberstehen, wenn klar ist, dass das Leben mit seinen Verlusten uns ein Stück Fügung und Demut abverlangt, dann kann eine Tasse Tee und der weiche, nach würziger Wärme schmeckende Leb!kuchen eine Ahnung von Trost, eine inwendige Milde-Insel sein, die den Einschlag des Seelen-Wehs ein wenig abfedert.

Medizin- etwas einnehmen, etwas annehmen, das uns, nach ein paar Balancebewegungen und Ausschlägen in die eine oder andere Richtung, in die Mitte bringt.

(Kein Arzt oder Apotheker informiert über die Nebenwirkungen von Roggenmehl, Honig und Gewürzen.)

In Frage stellen/in Frage stehen

14. Oktober 2019

Eine Zeit ist da, in der eindeutig mehr Fragen im Raum und in der Zeit sind, als Antworten. Das stellt einen Zustand der Krisenhaftigkeit her. Und eine gewisse Überblicklosigkeit, ein großes Unwohlsein, eine Fragilität der Routine. Es gibt den Versuch, sich aber dennoch Freiheiten herauszunehmen, statt das To-Do- Listen-Programm abzuarbeiten, einen Blog-Eintrag schreiben, statt zeitig aufzustehen und alles zu erledigen, auszuschlafen und sich auch so zu fühlen, statt dem Versorgungsautomatismus nachzugehen, die Frage zu stellen, was ich heute brauche, was das Not-Wendige ist.

Ein bisschen zum Wort Krise recherchieren und entdecken, dass es auch um Wendepunkte gehen kann…

Gesten eine Sendung über Tiefenökologie gehört und mich wieder erinnert: Dankbarkeit und  Schmerzarbeit sind zentrale Themen ….. also: Wofür bin ich/bist du dankbar? Den Schmerz der In-Frage-Stellung, der Identitätskrise spüren und würdigen, das Nicht-wissen und Nicht- ahnen aushalten. Mir in all dem selbst-verständlich werden.

 

Ausrichtung und geputzte Antennen

21. Jänner 2018

Raum schaffen, Raum lassen, Raum finden und Raum halten. Das war das Motto der letzten Tage. Die Leere und Ahnungslosigkeit auszuhalten ist da schon auch einmal gefordert. Und- mit diesen auftauchenden Räumen treten halt manche Muster recht deutlich zutage. Da sehe ich mir dabei zu, wie ich mit mir und anderen verfahre, was mich treibt, was mich hindert, was ich vermisse.

Die Richtung, die Ausrichtung soll noch deutlicher werden. Diesen Raum will ich noch ein bisschen halten. Wie will ich leben, wie will ich arbeiten, wovon kann und will ich mich nähren, wie will ich Beziehung(en) leben? Was erfüllt mich mit Freude, was wird mir zur Last, was liebe ich? Wer braucht meine Begleitung? Wem mute ich mich zu? Woher beziehe ich Lebenslust?

Mit diesen Fragen werde ich wohl noch eine Weile gehen. Mein Leben, das Leben wird antworten. Es gilt die Antennen zu putzen, damit sie sauber auf Empfang stehen.

Antworten leben

7. Jänner 2018

Nun ist das Ende der Raunachtszeit. Durchgeschüttelt und neu vermischt ist manches, tatsächlich freue ich mich wieder auf Struktur und das Weiterspinnen der aufgetauchten Ideen, Gedanken und Visionen. Das darf ja alles bis zur Konkretisierung noch ein bisschen im offenen Raum kreisen, sich aussieben, zurechtfinden, sich formieren, verworfen und bearbeitet werden.

Besonders waren in diesen Raunachtszeiten die Freundinnenbegegnungen und die Spaziergänge, das ist, was wirklich nährt und guttut. Nun beginnt das Schauen in den Kalender: wann lässt sich eine Reise tun? Wie werden sich die Dinge des Schuljahres ausgehen? Wofür will ich Zeit haben? Wie sollen meine beruflichen Standbeine gewichtet sein? Wo wollen Entwicklungsschritte getan werden? Wo liegen die Wandelräume? Was ruft mich? Was verlangt nach Weichenstellungen?

Mit diesen Fragen in den nächsten Wochen unterwegs  sein und dann ” …lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines Tages in die Antwort hinein.” (R.M. Rilke)

In Antworten hineinzuleben, neue Fragen aufsteigen zu lassen, sie nicht vorschnell zu beantworten , sondern, die Fragen zu integrieren, “zu lieben” und mit ihnen als Richtungsweiser, als Entwicklungsgeber zu sein, um Antworten nicht in erster Linie intellektuell zu geben, sondern auf allen  verfügbaren Ebenen zu leben – das möchte ich.

Ein Lob der Dunkelheit

19. November 2017

Die Dunkelheit lädt ein. Jeden Tag, sehr beharrlich, kommt sie wieder und fordert den Blick nach innen ein. Du hast Seelenarbeit zu tun, sagt sie, mach deine Hausübungen, geh ans Eingemachte, stell dich meinen Fragen.

Auch Gespräche im Dunkeln haben eine andere Qualität, die Sprache kommt ungefilterter, die Dunkelheit stellt den Filter zur Verfügung.

Ich fühl mich im Dunkeln wohl, ich fühle mich eingehüllt und meistens auch aufgehoben, nicht bedrängt, der Raum, den ich um mich halten kann, ist weiter und lässt mich atmen. Die Dunkelheit ist erholsam.

Im Dunkeln wach zu liegen, birgt aber Abgründe, wenn der Kopf die Regie übernimmt, wird’s oft ungemütlich und abstrus. Gelingt der Leitungswechsel und der Leib übernimmt, sind das oft gute und besondere Erfahrungen, dem Atem lauschen, das Gewicht abgeben, sich in der Decke verpuppen, da ist dann der Boden bereitet für Einfälle und Gedankenblitze, die wirklich neu sind.

Und die dunklen Zeiten sind ein Grund für weiches und herzerwärmendes Kerzenlicht.

 

Fliegende Gedankenfetzen und das Warten auf den Hauch der Ahnung

10. November 2017

Wieder einmal umwehen mich in wildem Flug Gedankenfetzen, die sich nur schwer fassen und solide zu Ende denken lassen. Einer dieser Fetzen trägt den Arbeitstitel (der sich immerhin ausnehmen lässt…): Wie kann ich mich, das, was ich bin, was mich ausmacht, was ich denke zum einen zutreffend, zum anderen verständlich kommunizieren?

Die Frage kenn ich schon, die kommt nicht das erste Mal vorbei. Die Antwort ist ja keine, die sich ausdenken lässt, das ist mir soweit auch klar. Die AntwortEN lassen sich nur von Mal zu Mal herausfinden und ausprobieren. Aber – ich merke, an dieser Frage leide ich und Kommunikationstechniken bringen mich da nur sehr begrenzt weiter.  Was ich als häufiges Dilemma empfinde, ist, dass es mir ab und zu gelingt, zutreffend und sehr genau auszudrücken, was ES IST, was ICH BIN. Dann vermisse ich nicht selten Verständnis und akzeptierende Zustimmung (darf ich die überhaupt erwarten und erhoffen und mir wünschen?). Oder- zweites Szenario- ich bin unzufrieden und nicht im Reinen mit den Worten, die ich gefunden habe, weil sie auf soziale Zustimmung und Verständnis hin ausgelegt waren, was dann zwar zu Akzeptanz führt, mich aber eben doch unbefriedigt zurücklässt. Und ganz selten, ab und zu, gibt es auch den Glücksfall, das Deutlichkeit und Authentizität des Ausdrucks auf gefühltes und erlebtes Verständnis trifft.

Es gibt natürlich einen Anlassfall, der mir dieses Tohuwabohu so deutlich auf den Schirm holt. Der ist gefinkelt, weil es da um eine Gruppe von Menschen geht, denen ich so höchst verschieden verbunden bin und denen ich aber eine Tatsache kommunizieren will.

Die einen will ich nicht vor den Kopf stoßen, was mir bei einigen anderen total egal ist, manchen möchte ich meine persönlichen Beweggründe erläutern, anderen nur meine Entscheidung mitteilen. Maximale Deutlichkeit bei minimaler Exponiertheit- sozusagen.

Was passt? Nicht den Hauch einer Ahnung….