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Schwellentanz

12.Jänner 2021

Wie schon angedeutet, bin ich im Moment ein bisschen wortempfindlich. Schnell kommt mir etwas grob daher, schlampig oder schneidend, oder verurteilend, und ja, auch unsere Sprache krankt und siecht dahin. Da helfen neu erfundene Worte und Sprachkorrekturen gar nicht.

Folgenden Worten rate ich fürs Erste zu einer 6- wöchigen Reha:

Fitness, Plagiat, Symptom, Mutation, Impfdosen, Aggression, Lockdown, soziale Medien.

Statt ihrer Verwendung einmal tief aus-und einatmen.

Weil sich das mit Reden und Worten gerade nicht so heimatlich anlässt, rückt Bewegung, Musik und Tanz in den Vordergrund. Beim morgendlichen Tanzen habe ich entdeckt, dass es reizvoll ist, zwischen zwei Zimmern hin- und her zu tanzen. Der spannendste Ort dabei: die Schwelle (mit erhobenem Schwellenbrett) – braucht mehr Aufmerksamkeit, darauf zu bleiben ein gerütteltes Maß an Balance, die herkömmlichen Schritte müssen adaptiert werden – ein sehr leibliches Forschungsgebiet, das nicht ohne Folgen bleibt…..

 Füße in den Fokus

23. Dezember 2020

Die Füße sind unser ausdauerndstes Kontaktorgan. Wenn wir stehen, gehen und sitzen, die Füße haben Kontakt – zum Boden, zur Erde. Zugegebenermaßen oft nicht direkt, weil Socken, Strümpfe, Schuhe usw….

Die Frage aber nun: haben wir Kontakt zu unseren Füßen? Hier also ein Vorschlag zu einer Verabredung mit deinen Füßen, mach es dir sitzend gemütlich, am Boden, auf einem Stuhl, wie du magst.

Nimm einen deiner Füße in deine beiden Hände und entdecke (vielleicht mit geschlossenen Augen) die unterschiedlichen Teile deines Fußes: Zehen, Sohle, Ballen, Fußrücken, Ferse, Knöchel. Was hat knöcherne Qualität, was Polsterqualität, wie fühlen sich die verschiedenen Oberflächentexturen deines Fußes an? Beginne deine Fußsohle zu massieren. Hier finden sich eine ganze Menge Reflexzonen, über die du Einfluss nehmen kannst auf deinen Leib, deine Organe. Knete deine Zehen, spüre deren Ansatz in den Mittelfußknochen, bewege deinen Vorfuß, probiere alle möglichen Richtungen aus. Massiere die Ferse, die Fußkanten, das Fußgewölbe. Du kannst die Finger deiner Hand zwischen die Zehen des Fußes hineinlegen und so den Fuß eine wenig bewegen.

Während eurer Zeit miteinander verändert sich das Erscheinungsbild deines Fußes, sei aufmerksam, nimm wahr. Steh dann auf, spüre wie unterschiedlich deine beiden Füße nun organisiert sind….

Komm dann zum zweiten Fuß – same procedure! (😊)

Wenn du willst, kannst du deine Füße auch noch eincremen, sie werden es dir danken. Die Verbundenheit mit deinen Füßen wirkt auf dein Stehen, dein Gehen, dein Sein in der Welt.

Thich Nhat Hanh drückt dies so aus:

Bitte berühre die Erde mit Achtsamkeit, Freude und Konzentration.

Die Erde wird dich heilen,

und du wirst die Erde heilen.

Schütteln und atmen

13. Dezember 2020

Eine gute Möglichkeit, die eigenen Batterien mit dem Sinn fürs Eigene- dem EigenSinn – zu laden, ist folgende Körperübung:

Stelle dich hin, hüftbreit, Basiskontakt mit den Fußsohlen am Boden. Dann beginne, dich zu schütteln, das geht einfach, indem du mit den Händen und Armen beginnst und dann das Schütteln und Vibrieren sich ausbreiten lässt über den ganzen Oberkörper, dann Knie schlottern, das erreicht dein Becken, deinen Rücken. Kopf und Gesicht nicht vergessen. Hab keine Angst vor dem Gefühl, dass du plötzlich deine Masse spürst, Muskeln, Fett, deinen Körper, der auf den Knochen sitzt. Das Vibrieren und Schütteln ist leiblich gewordene Energie. Gehaltenes, Stagniertes, Verfestigtes wird beweglich und macht sich dann im Anschluss frei auf Form- und Ortssuche. So stelle ich mir das vor….

Mache insgesamt drei Schütteldurchgänge, kleine Pausen und dann noch zweimal beginnen.

Dann Stehen und Spüren – aaaaaahhhhh!

Leg dich auf den Boden, Beine aufgestellt, Arme ausgebreitet, im Abstand zum Oberkörper, Handflächen auf den Boden.

Atme ein, tief in den Bauch, atme aus und bringe den unteren Rücken in spürbaren Kontakt mit dem Boden. Atme ein und kippe das Becken sachte weg von dir, es entsteht ein Bogen im unteren Rücken. Atme aus und kippe das Becken zu dir her, der untere Rücken drückt gegen den Boden, du kannst den Beckenboden in dir hochziehen. Atme ein, hole Luft durch den Mund und durch das lockere Becken, atme aus und spüre den Bodenkontakt in deinem Rücken. Daraus kann eine organismische Basisbewegung werden, ausdehnen, weiten, zusammenziehen und den Kontakt zum Boden, zur Erde wahrnehmen. Finde deinen Rhythmus und den Grad der Intensität, der dir gut tut.

Ausdehnen, zusammenziehen außen sichtbar.

Ausdehnen, zusammenziehen in deinem Innenraum, der die Organe beherbergt.

Ausdehnen, zusammenziehen auf der Ebene der Zellen, auch die hintersten, untersten erreicht der Sauerstoff in deiner Atemluft.

Lass den Rhythmus ruhiger werden, forciere nichts, sei weich in deiner Wahrnehmung und in deinem Blick auf dich.

Lass die Knie nach links und rechts pendeln, strecke dich, richte dich über die Seite auf zum Sitzen, zum Stehen. Beginne dich mit kleinen Gewichtsverlagerungen zu bewegen.

Tanze.

Gehen

10. Dezember 2020

Wir alle gehen jeden Tag wohin. Gehen ist uns Fortbewegungsmittel von A nach B, oft transportieren wir dabei auch noch einiges.

Es ist dem Dasein und der Präsenz absolut förderlich „nur“ zu gehen. Pack dich zusammen, zieh dich warm an, nimm nichts mit. Gehe ein Stück in die Natur hinein, in einen Wald, ein bisschen raus aus der Zivilisation.

Dann stell dich beidbeinig hin. Steh, atme, schließ für einen kurzen Moment deine Augen und nimm dich wahr und spüre in dich hinein. Schalte in einen verlangsamten Zeitlupen-Modus und beginn zu gehen.

Was passiert alles in dir, bevor du überhaupt den ersten Schritt setzst?

Dein Gewicht kommt auf eine Seite, auf ein Bein, du löst die Fußsohle des anderen Beines, beugst das Knie, pendelst aus dem Hüftgelenk nach vorne, um den ersten Schritt zu setzen, bringst dein Gewicht darauf……und…..

Nimm diese Schritte als Ereignis, als Feuerwerk aus unzähligen kleinen Bewegungen. Vergiss im Aufmerksam-Sein nicht auf das Atmen.

Nach einigen Schritten kannst du deine Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel der kleinen Bewegungen richten, ein wenig an Tempo zulegen und dich an Koordination, Ablauf, die Einbindung deines ganzen Leibes, deiner ganzen Person erfreuen.

Gehen ist ein Wunder. Eines dieser übersehenen, kleinen Alltagswunder, die uns ins Staunen,  in die Präsenz und in unsere ureigene Zeit bringen können.

Barbara bringt Atem (und einen Kirschzweig)

4. Dezember 2020

Es gibt unfassbar viel Weisheit, die der Atem bringt. Er erzählt von Polarität und der stetigen Bewegung zwischen Leere und Fülle, vom Fokus auf das Loslassen und vom Vertrauen, dass genug da ist, er erzählt von Angewiesenheit auf Pflanzen und von der Eingebundenheit in ein großes Ganzes, davon, dass, was ich zu geben habe, einem anderen Lebewesen nutzt (den Pflanzen z.B.).

Atem ist Leben, ist Regulation, ein Basisrhythmus unseres Seins. Deswegen tut der Blick darauf wohl, eine Atemübung, die erfrischt, ist folgender einfacher Ablauf:

Gleich nach dem Aufstehen das Fenster öffnen, die Füße entspannt als Bodenbasis wahrnehmen, die Zehen spreizen und weit auflegen.

Mit dem Einatmen ein wenig in die Knie gehen, beide Hände über die Seite nach oben bringen und über dem Kopf mit langen Armen die Handflächen aneinander legen. Beim Ausatmen die gestreckten Arme mit den Handflächen voran nach unten an die Oberschenkel führen.

Die Atempause auskosten, den Impuls abwarten, den der Körper zum Atemholen gibt. Mit dem Einatmen die Arme wie einen großen Flügelschlag wieder nach oben bringen, den Raum für Rippen, Zwerchfell und Lunge weiten, die frische Luft nehmen, beim Ausatmen das Alte, Abgestandene, Unnötige, Überfällige aus den Zellen entlassen. Beim Einatmen das Neue, Frische, Unverbrauchte, die Lebendigkeitsladung in die Zellen schicken.

 Für jeden Mondmonat einen Atemzug nehmen – insgesamt 13. Oder 5 für die Quintessenz, oder 7, für jeden Zwerg bei Schneewittchen einen. Oder vielleicht 4 für jede Himmelsrichtung, oder 9 für die geballte Weisheit. Ermächtige dich in der Entscheidung, wie oft du die Übung machen magst, selbst. Oder mach sie einfach, bis es genug ist und du dich frisch und gut fühlst.

Alltagswunder

27. November 2018

Achtsamkeit üben ist ein Abenteuer- ohne Reisen, ohne Kick, ohne Haben wollen, ohne Getriebenheit. Innenräume, Welt, Beziehungen, Natur, der eigene Körper erschließen sich in einer Tiefe und Fülle, die zum Staunen und zur Freude verführt. Die Verführungen des “Schneller, Höher, Weiter, Mehr” werden gänzlich uninteressant und wirklich absurd.

Das Wunder des Atmens, das Wunder der Schwerkraft, das Wunder des Gehens – jeden Tag, umsonst – aber nicht umsonst.  Noch selten habe ich mich so am Gehen erfreut, wie in den letzten Tagen, eine sinnliche Erfahrung für den gesamten Leib.

Ein Gedicht von Christine Lavant….

Seit heute, aber für immer weiß ich: 

Die Erde ist wirklich warm

Ich gebe der Nessel den Brand zurück

und dem Igel die Stacheln

Seit heute ist alles mein Schutzpatron

und die ganze Welt ist eine Weidenwiege

darin der Windstoß uns zusammenschaukelt

und unseren Atem verknotet                             

 

 

Lyrik – Magie- Wildnis- Körper

6. August 2018

Eine Sendung über Gary Snyder nachgehört. ( An dieser Stelle: Ö1 ist ein fantastischer Radiosender! Und : Danke Petra für den Tipp!)

Ich habe ganze Abschnitte mitgeschrieben, weil, was Gary Snyder sagt,  dieses wunderbare JA in allen Zellen auslöst. Eine kleine Kostprobe will ich euch nicht vorenthalten:

Eine Reaktion auf eine Anthologie mit dem Titel “Kann Lyrik die Welt retten?”

“Lyrik ist eine Art Magie.  Sie existiert am äußersten Rand der Möglichkeiten und an den Grenzen der Sprache, wie wir sie verstehen. Und sie hat einen fließenden Übergang zur Musik und zum Tanz. Sie gehört nicht zum Schreiben. Sie gehört zum Singen, zum Aufführen, sie ist Teil des Theaters. Sie bringt unsere tiefsten Gefühle zum Vorschein – und wir alle wissen darum, aber wir wissen nicht wieso oder wie. Also in diesem Sinne könnte Lyrik den Menschen helfen, die Erde zu lieben.”

Und zum Thema Wildnis:

“Auch unser Körper ist wild, er reguliert sich zu einem großen Teil selbst. Die Tiefen des Gemüts, das Unbewusste sind unsere Wildnisgebiete. Von Wildnis sprechen, heißt von Ganzheit sprechen. Wir alle entstammen dieser umfassenden Ganzheit. Wenn wir die Wildnis zerstören, zerstören wir uns.”

Und dann als abschließender Satz dieser Sendung:

” Ein Wort an euch und eure Kinder: bleibt zusammen, lernt die Blumen, seid genügsam!”

Ich verabschiede mich für einige Zeit ins Unterwegssein und in die Wildnis, habt eine feine Zeit!

Hinwendung

2. April 2018

Einen Monat war nun Pause hier im Blog. Ein Abtauchen in all die anstehenden inneren Prozesse war dran.  Intensiv mit mir in Kontakt war ich und Trost habe ich vor allem  im Sein in der Natur erfahren. Ein Forschungstagebuch geführt, viel geschlafen, mir ein Ritual erschaffen, das mir hilft, im Körper präsent und als ganze Person gegenwärtig zu sein. Nun spüre ich, dass ich mich wieder mehr der Außenwelt zuwenden mag. Ab und zu gibt es jetzt Texte und Abschnitte aus dem Forschungstagebuch zu lesen:

Käfergeschriebene Briefe auf der Innenseite von Rinde

erreichen mich

geheimnisvollen Zeichen nachgehen

dem Sog der Linienmagie nachgeben

mich einziehen lassen

 

der Erzählung lauschen, die sich in meine Haut eingeschrieben hat

die Botschaften auf der Innenseite erschließen

mich und meine Geschichte lesen lernen

und mich über sie hinauswandeln

 

 

Gebiet-erin

13. Februar 2018

Wieviel die eigenen Haltung taugt, zeigt sich in Extremsituationen. Heute warten gleich zwei auf mich und meine Entschlossenheit mit mir zu sein und bei mir zu bleiben, ist groß. Ich bin die Gebieterin meiner Ländereien, dazu gehört mein Körper, dazu gehört mein Beruf und meine Haltung als Pädagogin. Darum wird es heute gehen, meinen Raum, den Boden auf dem ich stehe, meine Gebiete zu beanspruchen.

 

Verkörperte Zustimmung

30. Jänner 2018

Doch – unterbreche ich meine Gedankenschleifen – doch, da waren gestern gelungene Momente. Es hat etwas, von dem, das ich in die Welt bringen mag, stattgefunden: echter Kontakt, schöne Gespräche, mündige Jugendliche, Wahrnehmung und Spielerisches Zugehen auf die Welt.

Und wieder einmal Andreas Weber, aus dessen Schatzkiste ich gestern ein paar besondere Perlen gehoben habe: “Fühlen ist das Barometer der Lebendigkeit in uns. (….) Fühlen ist die Bedeutung unserer Lebenssituation nach innen. (…) Gefühle sind ein poetischer Kommentar zur eigenen Existenz – genauso indirekt, genauso kreativ, genauso schwer unterdrückbar wie ein Ausruf, eine Zeichnung, ein Vers, eine Melodie, eine Landschaft, deren emotionaler Gehalt uns bis ins Mark erschüttert.”

“Anders als ein Mensch offenbart die Natur uns ihre existentielle Verfassung ohne Scheu, Scham und Hintergedanken. (….) Sie ist der Ort, der Trost spendet, wenn wir mit unseren Bedürfnissen auf Ablehnung oder Unverstand stoßen. Sie ist der Raum, der kein Gefühl verheimlicht und uns daher erlaubt, die eigenen Gefühle zuzulassen. (…) Natur gestattet jedem sein authentisches Selbst.”

In mir entsteht für diese Worte bis in die hinterste Zelle eine unglaubliche Resonanz, das ist gefühlte, eingeatmete Wahrheit. JAAAA tönt es in Herz und Nieren. Die Lunge holt Luft bis in die tiefsten Winkel und die Leber lacht sich ins Fäustchen. Das nenn ich verkörperte Zustimmung ….

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