Schlagwort: Lyrik

Oder – anders gesagt

2.Juni 2020

Unter tiefhängenden Wolken stehen
erproben, wie es ist
im Regen zu stehen

Am Fluss den Abschied üben
mit der ungerührten Beharrlichkeit
des Steines sein

Boden finden
an dem ich mich aussäen kann
wachsen

Mich im Blühen
dem Blick der Welt anbieten
das Reifen erkunden

Mein Sein
in die Essenz der Früchte bringen
beerntet werden

Mich dem schon geübten Abschied hingeben
Sinken
Boden sein

 

Wünschen

1.Jänner 2020

Starke und stärkende Felder

nährende Begegnungen und

die Erfahrung von Kraft und Wirksamkeit

 

Das Erleben von Überraschungen und Geschenk

welche von der Unverfügbarkeit des Lebens erzählen

und die ohne dein Zutun

Lebendigkeit im Gepäck führen

 

….auf in die Zeit, in der das Wünschen geholfen hat… 😉

SelbstErmunterung

16.11.2019

DIE Wirklichkeit

ist immer nur ein Teil MEINER

Wirk lichkeit

Meine Wirk samkeit

erfahre ich

im Entdecken der

AuchWirklichkeit

 

Unter meiner OberFläche

im UnterGrund

im Bauch meiner selbst

den ich am besten

mit einem tiefen

BauchAtemZug

erfahre und besuche

 

Da entsteht sie

die AuchWirklichkeit

sie ist still

sie ist ruhig

sie gebiert

meine WirkMacht

wirkt wundersam

das Gewebe

MEINER Wirklichkeit

 

Wege vom Müssen zum Lassen- die Richtung weisen

10. Juli  2019

     MÜSSEN

     MESSEN

anMASSEN

     FASSEN

     LASSEN

          Der Weg vom Müssen

zum Lassen

ist kein einfacher

Er führt durch die

Untiefen des Vergleichs

und der Selbsterkenntnis

Es gilt

das Wesentliche zu erfassen

und

loszulassen

MÜSSEN

KÜSSEN

KISSEN

FLIESSEN

FLOSSEN

FASSEN

LASSEN

Das Müssen

küssen

sich etwas länger den Kissen

und Pölstern widmen

in den Tag hineinfließen

die Auflösung von Zeit und Struktur ertragen

die immertätigen Hände

in Flossen verwandeln

schwimmen

das Verflüssigte fassen

sodann

es lassen

 

Ein Engel meint es gut

7. Dezember 2018

Die propagierte stillste Zeit im Jahr zeigt sich (wieder einmal) in einer Dichte, die ihresgleichen im Jahresverlauf sucht. Die Termine drängen sich und die Notwendigkeiten, als gäbe es nach Weihnachten keine Zeit mehr  und kein Weiterleben…. Dieses tiefe Bedürfnis abzuschließen, fertigzubringen, einzuziehen (ein Hallo an alle HäuslbauerInnen und RenoviererInnen! ) hat vermutlich damit zu tun, dass wir Platz schaffen wollen für das Neue, das Licht, das sich ankündigt und niederlassen will, für die Zeit des Erträumens  eines neuen Jahres.

Der Witz und die Krux dabei: Weiterradeln schafft weder Zeit noch Raum. Auf- hören (auf- horchen) ist in diesem Zusammenhang das Gebot der Stunde und Herausforderung gleichermaßen. Nicht dass ich darin besonders gut wäre – so rede ich mir selber gut zu und bin mir Aufforderung: hör auf, hör hin, hör zu!

Klingt streng!

Hör auf dich, hör hin zu deinem Herzen, hör deiner inneren Stimme zu – sagt der Engel – sehr sanft und gar nicht streng. Und findet ein Gedicht.

In erschreckender

Sanftheit

senkt der Abend

sich

mit dem Steigen des Mondes

sinke auch ich

umfangen

von Dunkelheit

Die Nacht

sie kleidet mich

darin beweg ich mich

gut und gerne

meinem Grund zu

meinem Boden

Worte

Gelächter

Gerede

Gerüchte

Sie bilden den

glitzernden

Sternensaum

meines

indigoblauen

Nachtkleids

Bist du Raum und hast du Raum?

10. November 2018

Intensive Tage mit allerhand Gesprächen, viel im Austausch mit den Menschen, die ich täglich treffe. Mich beschäftigt gerade die Vorbereitung von zwei Veranstaltungen: die “Tage der Achtsamkeit” in Schloss Puchberg von 22. bis 25. November und zwei Adventkonzerte mit Lesung in Feldkirchen und Lichtenberg am 8. und 9. Dezember.

Zum einen das Thema der Wahrnehmung des Selbstverständlichen und Alltäglichen, gewahr sein und ein Abklopfen des Begriffes “Selbstverständlichkeit”: sich das Selbst verständlich werden lassen, verständlich machen. Mir in Selbstreflexion begegnen, in Aus-einander-.setzung  gehen um dann umso offenherziger, authentischer uns selbstverständlicher  Mit-mir-selbst zu sein.

Zum anderen der Titel der Adventveranstaltung: “Do you have Room?” – eine etwas andere Herangehensweise an die Herbergssuche, die uns ja nicht wirklich etwas gelehrt hat. Immer wieder fällt es uns schwer, Platz zu machen, Platz zu geben, Raum zu lassen.

Ich schenke euch ein Gedicht von Nelly Sachs:

Kommt einer von ferne

mit einer Sprache

die vielleicht die Laute verschließt

mit dem Wiehern der Stute

oder dem Piepen junger Schwarzamseln

oder

auch wie eine knirschende Säge

die alle Nähe zerschneidet-

Kommt einer von ferne

mit Bewegungen des Hundes

oder

vielleicht der Ratte

und es ist Winter

so kleide ihn warm

kann auch sein

er hat Feuer unter den Sohlen

(vielleicht ritt er auf einem Meteor)

so schilt ihn nicht

falls dein Teppich durchlöchert schreit-

Ein Fremder hat immer seine Heimat im Arm

wie eine Waise

für die er vielleicht nichts als ein Grab sucht.

Lyrik – Magie- Wildnis- Körper

6. August 2018

Eine Sendung über Gary Snyder nachgehört. ( An dieser Stelle: Ö1 ist ein fantastischer Radiosender! Und : Danke Petra für den Tipp!)

Ich habe ganze Abschnitte mitgeschrieben, weil, was Gary Snyder sagt,  dieses wunderbare JA in allen Zellen auslöst. Eine kleine Kostprobe will ich euch nicht vorenthalten:

Eine Reaktion auf eine Anthologie mit dem Titel “Kann Lyrik die Welt retten?”

“Lyrik ist eine Art Magie.  Sie existiert am äußersten Rand der Möglichkeiten und an den Grenzen der Sprache, wie wir sie verstehen. Und sie hat einen fließenden Übergang zur Musik und zum Tanz. Sie gehört nicht zum Schreiben. Sie gehört zum Singen, zum Aufführen, sie ist Teil des Theaters. Sie bringt unsere tiefsten Gefühle zum Vorschein – und wir alle wissen darum, aber wir wissen nicht wieso oder wie. Also in diesem Sinne könnte Lyrik den Menschen helfen, die Erde zu lieben.”

Und zum Thema Wildnis:

“Auch unser Körper ist wild, er reguliert sich zu einem großen Teil selbst. Die Tiefen des Gemüts, das Unbewusste sind unsere Wildnisgebiete. Von Wildnis sprechen, heißt von Ganzheit sprechen. Wir alle entstammen dieser umfassenden Ganzheit. Wenn wir die Wildnis zerstören, zerstören wir uns.”

Und dann als abschließender Satz dieser Sendung:

” Ein Wort an euch und eure Kinder: bleibt zusammen, lernt die Blumen, seid genügsam!”

Ich verabschiede mich für einige Zeit ins Unterwegssein und in die Wildnis, habt eine feine Zeit!

Hinwendung

2. April 2018

Einen Monat war nun Pause hier im Blog. Ein Abtauchen in all die anstehenden inneren Prozesse war dran.  Intensiv mit mir in Kontakt war ich und Trost habe ich vor allem  im Sein in der Natur erfahren. Ein Forschungstagebuch geführt, viel geschlafen, mir ein Ritual erschaffen, das mir hilft, im Körper präsent und als ganze Person gegenwärtig zu sein. Nun spüre ich, dass ich mich wieder mehr der Außenwelt zuwenden mag. Ab und zu gibt es jetzt Texte und Abschnitte aus dem Forschungstagebuch zu lesen:

Käfergeschriebene Briefe auf der Innenseite von Rinde

erreichen mich

geheimnisvollen Zeichen nachgehen

dem Sog der Linienmagie nachgeben

mich einziehen lassen

 

der Erzählung lauschen, die sich in meine Haut eingeschrieben hat

die Botschaften auf der Innenseite erschließen

mich und meine Geschichte lesen lernen

und mich über sie hinauswandeln

 

 

Wurzelpflege

24. Dezember 2017

Jetzt sind wir am Ende dieses Jahres angelangt. Die nächsten Tage und Nächte sind einer anderen Welt geschuldet: die Raunächte räumen auf. Sie ordnen, sortieren und erlauben: lassen statt tun ist nun wirklich Programm. Gut sein lassen, was gut war, dem Nichtgelungenen in die Augen sehen und es verabschieden. Ins Eigene sinken, in die Tiefe des Wurzelwerks, das Nahrhafte aus dem Dunkel bergen und der Geborgenheit Raum geben. Dazu gehört es eben auch, in die Herkunftsfamilien einzutauchen und diesen Wurzeln nachzuspüren und nachzugehen, auch hier das Gelungene würdigen, das Ungelöste sehen und wohl auch aushalten – und –  große Kunst: es nicht jetzt lösen wollen, dazu sind die Raunächte meiner Erfahrung und meines Erachtens nicht angetan….

Ich wünsche mir und euch: gelingende Begegnungen, das Gefühl von Verbundenheit, die Entdeckung des Lichts in der Tiefe, die eine oder andere Sternstunde  ∗

Vor ein paar Tagen habe ich ein besonderes Geschenk bekommen, das mich in der Tiefe meines Herzens berührt hat, ich schenke es euch weiter:  das Wurzelbild in fantastische Sprache gefasst von dem großen Sufi- Dichter Rumi:

“Und glaub ja nicht, dass der Garten im Winter seine Ekstase verliert.

  Er ist still.

  Aber die Wurzeln sind aufrührerisch,

  ganz tief da unten.”

Sprache bahnt einen Weg

27.September 2017

Sprache ist mir eine Quelle des Nachdenkens und häufig Anregung für Standortbestimmung. Wenn ich mich an Formulierungen stoße, heißt das, dass ich mich auf der Suche nach einem passenderen Wort frage, wie ich das jetzt wirklich, wirklich meine, was ich wirklich, wirklich sagen will.

Sprache ist für mich aber auch ein Medium, das den Wandel manchmal vorwegnimmt oder besser – dem Wandel den Weg bahnt, wie ich finde.

Im Archiv habe ich einen Text gefunden, der auf für mich dermaßen kraftvolle Weise ein Bild zeichnet, das, wie ich finde, den nötigen Sog für Veränderung aufbaut. Ich teile mit euch ausschnitthaft diese Kraft.

Die Worte stammen von Thiago de Mello, einem brasilianischen Schriftsteller.

“Es wird verfügt, dass jeder Wochentag,

auch der Dienstag, der aschfarbenste, das Recht hat,

sich in einen Sonntagmorgen zu verwandeln.

(….)

Niemals mehr wird es nötig sein,

sich zum Schutze in Schweigen zu hüllen

oder Wörter wie Rüstung zu benutzen.

Der Mensch wird sich an den Tisch setzen mit ungetrübten Blick,

denn die Wahrheit wird vor dem Nachtisch serviert.

(…)

Es wird verfügt und festgeschrieben,

dass der Mensch ein Tier ist, das liebt,

und dass er dadurch schön ist,

viel schöner als der Morgenstern.

Es wird verfügt, dass nichts mehr erzwungen noch untersagt sein wird.

Alles wird erlaubt sein,

vor allem mit dem Rhinozeros zu spielen

und am Nachmittag

mit einer riesengroßen Begonie im Knopfloch

spazieren zu gehen.

(…)”

Thiago de Mello