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Lebendigkeit kultivieren

24. Dezember 2021

Da sind wir nun, am Ende dieses Advent angekommen: Ankunft.

Ankunft in der Heiligen Nacht. Die bedeutet mir etwas. Die Nacht und die Heilung. Da ist das große Ausatmen, das Sinken in die Raunächte, das Einverständnis ins Geschehenlassen. Nichts mehr muss, vieles kann, alles darf sein.

Ich wünsche Euch Ausatmen, Sinken, Lassen und ein Einverstanden -Sein mit dem, was sich zeigen will in der Zeit zwischen den Jahren.

Ich wünsche Euch Herzerwärmendes und Heilendes für Leib und Seele.

Das Wesentliche ist getan und das Jahr hat sich
zum Samen gerundet.

Jetzt ruhe
und sei ohne Sorgen, denn wisse:

Das Licht wird
ohne dein Zutun
wieder geboren
und die Aufgaben
des Neuen Jahres
wachsen von selbst
an dich heran.

Eva Callies

Gedicht

11. Dezember 2021

Der Dichte des eigenen Lebens ein „Wenig“ entgegensetzen. Ein Gedicht. Dichte auf kleinem Raum, die sich nach und nach im Inneren entfaltet.

Zärtliche Nacht

Es kommt die Nacht

da liebst du

Nicht was schön-

was hässlich ist.

Nicht was steigt-

was schon fallen muss

Nicht wo du helfen kannst –

wo du hilflos bist.

Es ist eine zärtliche Nacht

die Nacht da du liebst,

was Liebe nicht retten kann.

Hilde Domin

An der Schwelle

31.12. 2020

Sprachlich im Moment ziemlich einreduziert und der vielen Worte etwas müde (im Moment müsste der halbe Wortschatz auf REHA!), gibt es an der Schwelle ein Elfchen und einen Haiku. Mit diesen Worten sei 2020 verabschiedet und 2021 willkommen geheißen.

Heute

ein Jahr

das enden will

Was krank ist möge

gesunden

Das Atmen lernen

Dem Heute alles zutraun

Wunder erwarten

In diesem Sinne, ein gutes Wenden!

Gedichte

20. Dezember 2020

In dichten Zeiten braucht es dichte Sprache. Lyrik ist verdichtete Sprache, die nicht nur unseren Verstand bespielt, sondern zwischen den Zeilen und in Rhythmik und Klang auch unser Gemüt, unser Gefühl erreichen kann. Im Zwischenraum wohnt das Unsagbare, Atmosphärische, das nährt und trägt.

Wenn du Zeit und Muße hast, mach dich auf die Suche nach einem Gedicht, das dich anspricht, das etwas in dir zum Klingen bringt. Entweder du suchst über ein Schlagwort im Netz, oder du kennst Autorinnen und Autoren, die dich interessieren. Wenn du Lyrikbände zuhause hast, beginn zu blättern.

Hilde Domin, Ingeborg Bachmann, Nelly Sachs, Mascha Kaléko, Rose Ausländer, Mary Oliver, Rilke, Hesse, Fried, Jan Wagner (wurde mir vor kurzem empfohlen- Danke, R.!),…..

Was ist dir Medizin, Nahrung, Raum, Klang? Was tröstet dich, was ist heilsam?

Schreibe das Gedicht auf ein Blatt Papier, mit der Hand, kalligraphiere oder schreib und formatiere es auf dem Computer und hänge es in deinem Blickfeld auf.

„Mache kleine Zeichen, die JA sagen und verteile sie überall in deinem Haus“ (Joseph Beuys)

Oder – anders gesagt

2.Juni 2020

Unter tiefhängenden Wolken stehen
erproben, wie es ist
im Regen zu stehen

Am Fluss den Abschied üben
mit der ungerührten Beharrlichkeit
des Steines sein

Boden finden
an dem ich mich aussäen kann
wachsen

Mich im Blühen
dem Blick der Welt anbieten
das Reifen erkunden

Mein Sein
in die Essenz der Früchte bringen
beerntet werden

Mich dem schon geübten Abschied hingeben
Sinken
Boden sein

 

Wünschen

1.Jänner 2020

Starke und stärkende Felder

nährende Begegnungen und

die Erfahrung von Kraft und Wirksamkeit

 

Das Erleben von Überraschungen und Geschenk

welche von der Unverfügbarkeit des Lebens erzählen

und die ohne dein Zutun

Lebendigkeit im Gepäck führen

 

….auf in die Zeit, in der das Wünschen geholfen hat… 😉

SelbstErmunterung

16.11.2019

DIE Wirklichkeit

ist immer nur ein Teil MEINER

Wirk lichkeit

Meine Wirk samkeit

erfahre ich

im Entdecken der

AuchWirklichkeit

 

Unter meiner OberFläche

im UnterGrund

im Bauch meiner selbst

den ich am besten

mit einem tiefen

BauchAtemZug

erfahre und besuche

 

Da entsteht sie

die AuchWirklichkeit

sie ist still

sie ist ruhig

sie gebiert

meine WirkMacht

wirkt wundersam

das Gewebe

MEINER Wirklichkeit

 

Wege vom Müssen zum Lassen- die Richtung weisen

10. Juli  2019

     MÜSSEN

     MESSEN

anMASSEN

     FASSEN

     LASSEN

          Der Weg vom Müssen

zum Lassen

ist kein einfacher

Er führt durch die

Untiefen des Vergleichs

und der Selbsterkenntnis

Es gilt

das Wesentliche zu erfassen

und

loszulassen

MÜSSEN

KÜSSEN

KISSEN

FLIESSEN

FLOSSEN

FASSEN

LASSEN

Das Müssen

küssen

sich etwas länger den Kissen

und Pölstern widmen

in den Tag hineinfließen

die Auflösung von Zeit und Struktur ertragen

die immertätigen Hände

in Flossen verwandeln

schwimmen

das Verflüssigte fassen

sodann

es lassen

 

Ein Engel meint es gut

7. Dezember 2018

Die propagierte stillste Zeit im Jahr zeigt sich (wieder einmal) in einer Dichte, die ihresgleichen im Jahresverlauf sucht. Die Termine drängen sich und die Notwendigkeiten, als gäbe es nach Weihnachten keine Zeit mehr  und kein Weiterleben…. Dieses tiefe Bedürfnis abzuschließen, fertigzubringen, einzuziehen (ein Hallo an alle HäuslbauerInnen und RenoviererInnen! ) hat vermutlich damit zu tun, dass wir Platz schaffen wollen für das Neue, das Licht, das sich ankündigt und niederlassen will, für die Zeit des Erträumens  eines neuen Jahres.

Der Witz und die Krux dabei: Weiterradeln schafft weder Zeit noch Raum. Auf- hören (auf- horchen) ist in diesem Zusammenhang das Gebot der Stunde und Herausforderung gleichermaßen. Nicht dass ich darin besonders gut wäre – so rede ich mir selber gut zu und bin mir Aufforderung: hör auf, hör hin, hör zu!

Klingt streng!

Hör auf dich, hör hin zu deinem Herzen, hör deiner inneren Stimme zu – sagt der Engel – sehr sanft und gar nicht streng. Und findet ein Gedicht.

In erschreckender

Sanftheit

senkt der Abend

sich

mit dem Steigen des Mondes

sinke auch ich

umfangen

von Dunkelheit

Die Nacht

sie kleidet mich

darin beweg ich mich

gut und gerne

meinem Grund zu

meinem Boden

Worte

Gelächter

Gerede

Gerüchte

Sie bilden den

glitzernden

Sternensaum

meines

indigoblauen

Nachtkleids

Bist du Raum und hast du Raum?

10. November 2018

Intensive Tage mit allerhand Gesprächen, viel im Austausch mit den Menschen, die ich täglich treffe. Mich beschäftigt gerade die Vorbereitung von zwei Veranstaltungen: die „Tage der Achtsamkeit“ in Schloss Puchberg von 22. bis 25. November und zwei Adventkonzerte mit Lesung in Feldkirchen und Lichtenberg am 8. und 9. Dezember.

Zum einen das Thema der Wahrnehmung des Selbstverständlichen und Alltäglichen, gewahr sein und ein Abklopfen des Begriffes „Selbstverständlichkeit“: sich das Selbst verständlich werden lassen, verständlich machen. Mir in Selbstreflexion begegnen, in Aus-einander-.setzung  gehen um dann umso offenherziger, authentischer uns selbstverständlicher  Mit-mir-selbst zu sein.

Zum anderen der Titel der Adventveranstaltung: „Do you have Room?“ – eine etwas andere Herangehensweise an die Herbergssuche, die uns ja nicht wirklich etwas gelehrt hat. Immer wieder fällt es uns schwer, Platz zu machen, Platz zu geben, Raum zu lassen.

Ich schenke euch ein Gedicht von Nelly Sachs:

Kommt einer von ferne

mit einer Sprache

die vielleicht die Laute verschließt

mit dem Wiehern der Stute

oder dem Piepen junger Schwarzamseln

oder

auch wie eine knirschende Säge

die alle Nähe zerschneidet-

Kommt einer von ferne

mit Bewegungen des Hundes

oder

vielleicht der Ratte

und es ist Winter

so kleide ihn warm

kann auch sein

er hat Feuer unter den Sohlen

(vielleicht ritt er auf einem Meteor)

so schilt ihn nicht

falls dein Teppich durchlöchert schreit-

Ein Fremder hat immer seine Heimat im Arm

wie eine Waise

für die er vielleicht nichts als ein Grab sucht.

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