Schlagwort: Winter

Wintercaprese

22. Dezember 2020

Bei einem adventlichen Abendessen vor einigen Jahren habe ich diese Speise bei U. kennengelernt. Da wurde sie als Vorspeise gereicht.

Zutaten:

eine kleinere gekochte rote Rübe

Mozzarella

Wasabinüsse

Kresse

Olivenöl

Balsamico

Salz

Rote Rübe und Mozzarella in Scheiben schneiden (auf unterschiedlichen Schneidbrettern),

auf Teller schlichten, salzen, mit Olivenöl und Balsamico marinieren, mit gehackten Wasabinüssen und Kresse bestreuen.

Der Geschmack der roten Rübe verträgt sich ausgezeichnet mit dem Krenaroma der Wasabis und der leichten Schärfe der Kresse, der milde Mozzarellageschmack rundet die Sache ab.

Schmeckt als Vorspeise oder leichtes Abendessen vorzüglich sowohl mit Roggenbrot, Nussbrot als auch mit einem feinen Weißbrot.

Möge die Rübe gelingen!

Wurzelkraft und Wurzeleintopf

14. Dezember 2020

Bei soviel Dunkelheit und Kälte heißt es die Wurzelkraft stärken. Sich mit der Erdkraft des Winters (laut „Europäisches Lebensrad“ nach Ursula Seghezzi) zu verbinden, heißt verlangsamen, ruhen, da sein, warten, spüren, dem „Nichts“ begegnen.

Das wiederum braucht ein wärmendes Gericht. Also Wurzelgemüse schnippeln: Zwiebel, Karotten, evt. Kürbis, Sellerie, Peterwurz, Pastinak, Kartoffeln, wärmende Gewürze Korianderkörner, Kurkuma (Gelbwurz), Curry oder Berberegewürz, vielleicht ein wenig Zimt, Kreuzkümmel.

Das übliche Prozedere: Zwiebel anschwitzen, Gewürze dazu, Wurzelgemüse dazu, ablöschen mit Gemüsebrühe, köcheln lassen, abschmecken, ich gebe dann noch eine schon gekochte rote Rübe dazu, das macht eine schöne, rubinrote Farbe, ohne dass die anderen Gemüse komplett ihre Farbe aufgeben. Etwas Kokosmilch oder Schlagobers zum Verfeinern dazu, evt. mit Petersilie oder Kresse bestreuen, Topf vom Herd, direkt auf den Tisch.

Aus dem Vollen schöpfen, sich fürs Langsam -sein und Spüren stärken, der Unterbrechung und der Pause frönen….

“Frönen” laut Duden: eine Sache genussvoll tun, aufgehen in, sich ergeben, sich ganz widmen, nachgehen, sich überlassen, anhängen, huldigen (so ein schönes Wort!)

Der Geschmack von Lebkuchen

1 .Dezember 2017

Wie bestellt: der erste liegende Schnee heute draußen. Alles leicht bezuckert, flockiger Zauber in trübem Nebelwetter. Der Advent beginnt heute – zumindest kalendarisch – und die Zeit des Lebkuchens. Die erste Ration ist schon fast verzehrt, heuer gab es recht bald Lebkuchen in unserem Haus.

Für mich ist Lebkuchen eine Aufforderung (seit der Arbeit zum Europäischen Lebensrad mit Ursula Seghezzi):

“Lebe!” sagt jedes Stück. Lebe dein eigenes, unverwechselbares Leben, sei deiner Lebendigkeit auf der Spur, freu dich an deinen Fähigkeiten, weiß um deine Schatten, richte dich aus zum Wohle deiner selbst, verbinde dich mit all dem Lebendigen um dich herum, erfahre dich in der Verbundenheit zum Leben um dich.

Danach schmeckt Lebkuchen: nach Wärme, nach der Honigsüße des Lebens, nach Besonderem und Nahrhaftem.

In der Lehre bei der Erde

2. November 2017

Da sitz ich im milden, milchigen Morgenlicht und sehe hinauf in den Wald, der sich seiner Kleider nun endgültig entledigt hat, die Wurzeln äußerst hübsch goldbraun bedeckt und gut gewärmt von einer dicken Schicht Laub. Jetzt beginnt also das Winterviertel, zeitlich sind wir über die Schwelle getreten in die Wochen der Dunkelheit, konfrontiert mit kurzen Tagen und langen Nächten.

Ganz deutlich ist mir dieses Eingespanntsein zwischen dem, was die Jahreszeit mir erzählt und wonach es eine große Sehnsucht gibt und dem, was das “zivilisierte” Leben und meine Arbeit von mir wollen, dem ich ebenfalls zu entsprechen versuche. Das Bewusstsein über diese Diskrepanz allerdings macht mich ein bisschen nachsichtiger und milder, ich verlange mir nicht “volle Kraft voraus” ab, sondern das Not-Wendige ist genug. Das genügt. Ich genüge.

Das Element des Winterviertels ist die Erde. Die trägt, die hüllt, die lässt in ihrem Inneren ruhen, was ruhen will und wachsen, was wachsen will. Die hat keine Angst vor Moder, Dreck, Dunkelheit und Untergründigem. Die ist die Meisterin des Lassens und ich will bei ihr in die Lehre gehen.