Schlagwort: Lassen

Ablegen, was zu schwer ist

9. Dezember 2020

Eine erster Übungsschritt dazu ist folgende einfache Übung:

Leg dich auf einer Decke oder einen weicheren Teppich auf den Boden in Rückenlage. Spüre, ob deine Beine schon lang liegen wollen, oder ob der Rücken die Nachricht sendet, dass aufgestellte Beine die bessere Variante sind. Du sollst gut und möglichst entspannt liegen. Das stellt sich meist nicht sofort ein. Schenke dir ein paar Atemzüge Zeit, um in dieser Raumposition anzukommen. Und stelle dir vor, dass du bei jedem Ausatemzug mehr und mehr von deinem Gewicht dem Boden und der Schwerkraft anvertraust.

Tatsächlich ist es ein Akt des Vertrauens und der Hingabe, das eigene Gewicht im Liegen dem Boden anzuvertrauen. Kleine Anspannungen lösen sich, der Atem wird freier. In dieser Raumposition darf alle Haltearbeit nach und nach aufhören, der Boden gibt dir Rückendeckung. Dein Rumpf rutscht mithilfe der Schwerkraft in die ihm entsprechende Haltung, du musst nichts machen, es eher nur geschehen lassen.

Nimm wahr, wie die Kontaktflächen von Körper zum Boden sind, spüre, wie du deine Arme und Hände abgelegt hast. Bemerken, nicht ändern oder korrigieren. Zeugin/Zeuge sein- fürs JETZT SO SEIN. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Wegmarken sind: vom TUN übers LASSEN zum SEIN.

Du kannst innerlich den Raum weiten, indem du Gedanken, Aufgaben, Herausforderungen, Schwierigkeiten, Problemstellungen, Belastungen einen Platz zuweist: aus dir heraus, ein wenig weg von dir, die Dinge benennst und sie einlädst, sich hinzulegen wie du.

Da liegst du, im Kreise deiner abgelegten Mühen. Alle vertrauen sich dem Boden an und geben sich der Schwerkraft hin. Es gibt Ruhe, eine Verschnaufpause. Nichts ist gelöst, alles noch da. Wenn du dich danach fühlst, stell die Beine auf, lass die Knie hin- und herschwanken, komm über die Seite zum Sitzen und dann zum Stehen. Steh, spüre deine Aufrichtung, Fußsohlen, deine entspannte Haltung, Atem, Schultern, dein weiches Gesicht. Wirf einen entspannten Blick in die Runde.

Was nimmst du, was lässt du?

Wege vom Müssen zum Lassen- die Richtung weisen

10. Juli  2019

     MÜSSEN

     MESSEN

anMASSEN

     FASSEN

     LASSEN

          Der Weg vom Müssen

zum Lassen

ist kein einfacher

Er führt durch die

Untiefen des Vergleichs

und der Selbsterkenntnis

Es gilt

das Wesentliche zu erfassen

und

loszulassen

MÜSSEN

KÜSSEN

KISSEN

FLIESSEN

FLOSSEN

FASSEN

LASSEN

Das Müssen

küssen

sich etwas länger den Kissen

und Pölstern widmen

in den Tag hineinfließen

die Auflösung von Zeit und Struktur ertragen

die immertätigen Hände

in Flossen verwandeln

schwimmen

das Verflüssigte fassen

sodann

es lassen

 

Frisch vermahlen

22. Jänner 2018

Weit weg von souverän bin ich wieder einmal meinen Mustern gewaltig auf den Leim gegangen. Sehr müde, sehr erschöpft, leidend an mir selbst, kostet mich Ausrichtung und Raum halten viel zu viel Kraft. Eine Form von Kapitulation spür ich und zwei heftige Bedürfnisse: das nach Ruhe und das nach “mich gehen lassen”. Die Bereitschaft was Größeres anzuerkennen und das Leben machen zu lassen, lässt sich allmählich in mir nieder, über die Widerstandsschwellen hinweg, geritten vom Bedürfnis nach Autonomie und gleichzeitig so abhängig von den mich umgebenden Menschen.

Und wieder: LASSEN.

Nicht tun, nicht schaffen, nicht halten. Mich nicht abwerten und verurteilen. Was werde ich in ein paar Monaten über diese Zeit denken und sagen?

Humor als Humus

1. Jänner 2018

Da sind wir also – im neuen Jahr.

Ganz neu und unverbraucht zum einen, ein Ergebnis vieler vergangener Entscheidungen zum anderen. Die Entscheidungen werden auch im kommenden Jahr getroffen, jeden Tag viele kleine. Die Frage für mich ist also: Durch welche Brille will ich schauen, wenn ich auf mein Leben, meine Entscheidungen, mich selbst schaue? Die Brillengläser sind jetzt zu wählen. In welchen größeren Zusammenhang will ich mein Tun und Handeln stellen? Die Sache mit den Vorsätzen ist deswegen für mich nicht so wirklich eine passende Gangart, weil ihnen meist der Blick aufs große Ganze fehlt.  Und über meine Brillengläser und meinen Fokus spreche ich nur dann, wenn ich mich wohlwollend gesehen und ausreichend unterstützt fühle.

Was ich mir definitiv wünsche – und das hier und ganz öffentlich – sind mehr Orte des Lachens, der Leichtigkeit, der Unbeschwertheit und meine Entschlussfähigkeit, diese auch aufzusuchen und selber Gelegenheiten zum Lachen zu schaffen. Lachen im Sinne von Humor als Fähigkeit zur Distanzierung, zum Raumschaffen, zum Loslassen und immer in einem Rahmen, in dem die Würde gewahrt bleibt und als Gegengewicht zu bierernster Verbissenheit, würdelosem Konkurrieren und wichtigtuerischer Selbstüberschätzung.

Heute schon gelacht?

 

Wurzelpflege

24. Dezember 2017

Jetzt sind wir am Ende dieses Jahres angelangt. Die nächsten Tage und Nächte sind einer anderen Welt geschuldet: die Raunächte räumen auf. Sie ordnen, sortieren und erlauben: lassen statt tun ist nun wirklich Programm. Gut sein lassen, was gut war, dem Nichtgelungenen in die Augen sehen und es verabschieden. Ins Eigene sinken, in die Tiefe des Wurzelwerks, das Nahrhafte aus dem Dunkel bergen und der Geborgenheit Raum geben. Dazu gehört es eben auch, in die Herkunftsfamilien einzutauchen und diesen Wurzeln nachzuspüren und nachzugehen, auch hier das Gelungene würdigen, das Ungelöste sehen und wohl auch aushalten – und –  große Kunst: es nicht jetzt lösen wollen, dazu sind die Raunächte meiner Erfahrung und meines Erachtens nicht angetan….

Ich wünsche mir und euch: gelingende Begegnungen, das Gefühl von Verbundenheit, die Entdeckung des Lichts in der Tiefe, die eine oder andere Sternstunde  ∗

Vor ein paar Tagen habe ich ein besonderes Geschenk bekommen, das mich in der Tiefe meines Herzens berührt hat, ich schenke es euch weiter:  das Wurzelbild in fantastische Sprache gefasst von dem großen Sufi- Dichter Rumi:

“Und glaub ja nicht, dass der Garten im Winter seine Ekstase verliert.

  Er ist still.

  Aber die Wurzeln sind aufrührerisch,

  ganz tief da unten.”

Draußen zauberhaft – innen Zauberspruch

18. Dezember 2017

“Finding comfort in your misery” – einer jener Feldenkraissätze, die es in sich haben.

Für mich heißt das, sich in der Situation, die ist, sei sie noch so eng, noch so einschränkend, noch so unbequem, noch so schlecht auszuhalten,….nach dem Hauch von Spielraum zu suchen, der mich im Moment ein bisschen besser sein lässt. Die Misere ein paar Atemzüge in mich einsickern lassen, der Resonanz in mir lauschen und dann den Bewegungsspielraum orten- ohne Verbissenheit – würdevoll. Sich mitsamt der Misere sinken lassen gegen einen Boden, der trägt, ist die Minimalvariante. Über die Misere lachen können, fällt unter absolut fortgeschritten!

Ach ja, L A S S E N.

DER Zauberspruch, der so schwierig zu lernen ist!

Aus dem Norden die Aufforderung zur Pause

9. Dezember 2017

Ich habe gerade schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Rauhnächte…

Nach einer intensiven, anstrengenden und gelungenen Projektwoche zum Thema Biografiearbeit, ist nun das Nicht-Gelingen recht präsent. Da gibt es dann wenig Inspirierendes zu berichten, da kommt zuviel vom Alten und zuwenig vom Neuen und Gewandelten daher. Einfach lassen wär gut und ist noch immer schwierig. Ich gestatte mir jedenfalls bis zum Auftauchen von erwähnenswert Neuem und Inspiriertem jetzt mal eine kleine Blog-Pause.

Ausatmen – Einatmen -Pause

Wunschnüsse

20. November 2017

Heute leg ich mir Nüsse auf den Frühstückstisch, dann habe ich ein paar Wünsche frei.

Was ich mir von mir wünsche:

loslassen, bei mir zuhause sein, furchtloser sein.

Was ich mir von “der Welt” wünsche:

einen Blick fürs richtige Maß, die Vielfalt lieben und leben, das Gemeinsame betonen.

Und jetzt das Schwierigste: Die Nüsse essen, die Wünsche vergessen!

UND: Mich mit Furchtlosigkeit, beheimatet und pur dem Leben stellen, das Gemeinsame sehen, die Vielfalt lieben, wenig Zeug, viel Herzenswärme, eine gute Balance zwischen tun und lassen finden.

 

 

 

Alltags-wandel-bar

11. November 2017

Der Hauch einer Ahnung in meinem Kommunikationsdilemma hat mich gestreift….(mithilfe von R., die solcherart möglich macht). Das, was ich sagen will, will durchfühlt sein. Ich muss über mich, mein Fühlen in dieser Sache Bescheid wissen, muss mich kennenlernen, dann kann ich mir überlegen, was davon für die anderen von Belang ist. Das ist meinem Fall tatsächlich unterschiedlich, so meine Einschätzung – deshalb Vorabinformation für diejenigen, denen ich mich verbunden fühle und Kurzinfo im Anschluss an alle. Spürt sich klar und einfach an. Die Lebbarkeit wird zeigen, was dran ist.

Im Lesen der Blogeinträge der letzten Wochen hab ich einige Facetten herausgefiltert, die kleinen Alltagswandel möglich machen, so der Bedarf danach besteht. Das Leben und meine Erfahrungen haben mir zugespült:

  • Tagesstart im Ohrensessel, ausatmen- einatmen, entschleunigen
  • Impulse wahrnehmen, Impulsen folgen
  • mich experimentieren, unterschiedlichstes ausprobieren
  • hören, zuhören, Resonanz in mir entstehen lassen
  • mich in fremden Sprachwelten herumtreiben, lesen, Worte finden, die in mir noch nicht entstanden sind und mich treffen lassen
  • meine Bedürfnisse als Ausdruck von Lebendigkeit begreifen, die Bedürfnisse der anderen als Ausdruck derer Lebendigkeit begreifen
  • lassen, entstehen lassen, wachsen lassen, passieren lassen, gehen lassen, ziehen lassen, loslassen, sein lassen